Carrie Symonds Welche Rolle spielt Johnsons Verlobte in der Renovierungsaffäre?

Weil sie den Warenhaus-»Albtraum« nicht mehr aushielten, ließen Carrie Symonds und Boris Johnson Downing Street luxusrenovieren. Nun wird Symonds verspottet – und ihr Einfluss auf den Premier unterschätzt.
Boris Johnson und seine Verlobte Carrie Symonds

Boris Johnson und seine Verlobte Carrie Symonds

Foto: Jeremy Selwyn / AP

»Sie kauft goldene Tapeten.« Mit diesem Satz soll der britische Premierminister Boris Johnson Mitarbeitern im vergangenen Jahr von den Inneneinrichtungsplänen seiner Verlobten Carrie Symonds berichtet haben. Offenbar hielt sie den Warenhaus-»Albtraum«, den Ex-Premierministerin Theresa May in Downing Street hinterlassen haben soll, nicht mehr aus. Es wurde umdekoriert.

Mittlerweile sind die Worte durch sämtliche britischen Medien gegangen. Die Luxusrenovierung von Johnsons Dienstwohnung  ist nämlich längst mehr als eine Frage des guten Geschmacks. Der britische Premier steht unter Verdacht, die kostspieligen Einrichtungswünsche seiner Partnerin mithilfe eines heimlichen Spenders finanziert zu haben.

Für Umbauten seines Dienstsitzes stehen Johnson maximal 30.000 Pfund Steuergeld zu. Die vorgenommene Renovierung soll diesen Betrag jedoch weit überschritten haben. In unbestätigten Berichten ist die Rede von etwa 200.000 Pfund (rund 230.000 Euro). Nicht nur die Medien im Vereinigten Königreich rätseln nun, wer für die Goldtapete aufgekommen ist. Die Wahlkommission hat eine offizielle Ermittlung eingeleitet. Im Raum steht dabei der Verdacht eines Spenden- und Vertuschungsskandals.

Während Johnson zunehmend in Erklärungsnot gerät, rückt seine Verlobte weiter in den Fokus der Aufmerksamkeit. In sozialen Netzwerken sammeln sich unter dem Hashtag #CarrieAntoinette teils bissige, teils humorvolle Reaktionen.

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Unabhängig davon, ob der Hashtag sexistisch ist, glauben viele, dass der Vergleich mit der verwöhnten und naiven französischen Königsgattin, die nach der Revolution 1793 unter der Guillotine starb, Symonds nicht gerecht wird. Bereits seit Längerem wird spekuliert, dass Symonds' Einfluss in der Downing Street weit über Entscheidungen beim Dekor hinausgeht.

Symonds soll Einfluss auf Personalentscheidungen haben

Die 33-Jährige arbeitete früher als Kommunikationsfachfrau im Hauptquartier der Konservativen Partei. Sie gilt als ehrgeizig, wurde 2018 mit 29 Jahren zur jüngsten Kommunikationschefin in der Geschichte der Partei. Dort lernten sie und Johnson sich auch kennen. Im vergangenen Jahr brachte Symonds den gemeinsamen Sohn Wilfred zur Welt.

Eine offizielle Aufgabe hat Symonds nicht, sie sitzt weder in Gremien noch hat sie Einsicht in Dokumente oder ist in Entscheidungsprozesse eingebunden. Ihrem Einfluss wird jedoch beispielsweise zugeschrieben, dass Johnson sich mittlerweile für »grüne« Umweltanliegen einsetzt. Symonds gilt als leidenschaftliche Verfechterin von Tierrechten. Darüber hinaus soll sie sich auch in Personalangelegenheiten einmischen.

Wer ihr nicht passt, muss gehen – so zumindest berichtet es der frühere Berater von Johnson, Dominic Cummings, in seinem Blog. Freunde von Symonds würden hingegen in wichtige Positionen aufrücken. Cummings selbst musste im vergangenen Jahr  seinen Hut nehmen – bereits damals gab es Gerüchte, dass sein Rücktritt ein Resultat eines internen Machtkampfes mit Symonds war.

»Die mächtigsten Leute in der Regierung stehen Symonds jetzt alle nahe«, schreibt der britische »Guardian« dazu und nennt einige Beispiele. So habe die stellvertretende Stabschefin Simone Finn den 30. Geburtstag von Symonds ausgerichtet. Johnsons Berater Henry Newman soll Symonds Berichten zufolge als einen ihrer »Lieblingsmenschen« bezeichnet haben.

Über die Ambitionen von Johnsons Verlobter wird derzeit in der britischen Presse viel spekuliert. Für viele Kritiker jedoch sind schon der Zank und die Gerüchte um ihren vermeintlichen Einfluss ein weiterer Beleg für die Führungsschwäche von Premier Boris Johnson.