Ukrainekrieg Boris Johnson zur unerwünschten Person in Russland erklärt

Boris Johnson darf nicht mehr nach Russland einreisen – und Teile seines Kabinetts ebenfalls nicht. Der Kreml kündigt an: Diese Maßnahme wird bald noch mehr Politiker treffen.
Boris Johnson: »Beispiellos feindselig«, aus Sicht des Kremls

Boris Johnson: »Beispiellos feindselig«, aus Sicht des Kremls

Foto: Daniel Leal-Olivas/ AFP

Das russische Außenministerium teilte am Karsamstag mit, dass es dem britischen Premierminister Boris Johnson, der Außenministerin Liz Truss, dem Verteidigungsminister Ben Wallace und zehn weiteren britischen Regierungsmitgliedern und Politikern die Einreise in das Land verweigert hat.

Dies geschah »angesichts der beispiellosen feindseligen Maßnahmen der britischen Regierung, insbesondere der Verhängung von Sanktionen gegen hochrangige russische Beamte«, teilte das Ministerium in einer Erklärung mit und fügte hinzu, es werde die Liste bald erweitern.

Die Regierung Großbritanniens gehört im Westen zu jenen, die sich von Anfang sehr hart angesichts des russischen Angriffskriegs geäußert haben. »Wladimir Putin hat die rote Linie zur Barbarei bereits überschritten«, antwortete Johnson etwa am Rande eines Nato-Sondergipfels auf die Frage, ob der Einsatz von Chemiewaffen eine rote Linie sei. Putin verglich er mit einem Drogendealer, der mit Gas und Öl Europa abhängig gemacht hat. Früher als andere Regierungschefs sprach Johnson davon, dass Russland in der Ukraine Kriegsverbrechen begehe.

Noch mehr unerwünschte Personen

Politisch setzte Johnson diverse Sanktionen und Exportverbote gegen Russland um. Im Umgang mit russischen Oligarchen, von denen viele seit Jahren einen Wohnsitz in London haben, wird ihm allerdings auch Zögerlichkeit und Symbolpolitik vorgeworfen.

Die britischen Regierungsmitglieder sind nicht die Ersten, die Russland zu unerwünschten Personen erklärt. So wurden bereits 18 Diplomaten der EU des Landes verwiesen sowie ein Dutzend US-Diplomaten. Umgekehrt haben EU-Staaten bisher rund 150 russische Diplomaten ausgewiesen, darunter 40 Personen, die bislang in der Bundesrepublik waren.

Im diplomatischen Dienst gehören solche Erklärungen häufig zu Krisensituationen und Kriegen. Dass Regierungsmitglieder als Personae non gratae klassifiziert werden, ist demgegenüber ein deutlicher Schritt der Eskalation.

mamk/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.