Bosnien-Herzegowina Bosniakische Nationalisten verlieren Stimmen bei Wahl des Staatspräsidiums

Laut Medienberichten bekam der Sozialdemokrat Denis Bećirović nach ersten Auszählungen 55 Prozent der Stimmen. Damit liegt er vor dem Vorsitzenden der muslimisch-nationalistischen SDA-Partei, Bakir Izetbegović.
Kandidierte für die bosnische Präsidentschaft: Denis Bećirović von der Sozialdemokratischen Partei (SDP)

Kandidierte für die bosnische Präsidentschaft: Denis Bećirović von der Sozialdemokratischen Partei (SDP)

Foto: Uncredited / dpa

Bei den Wahlen zum dreiköpfigen Staatspräsidium in Bosnien-Herzegowina zeichneten sich laut örtlichen Medienberichten Verluste für einige nationalistische Kandidaten ab. Nach Auszählung von 61 Prozent der Stimmen führte im Rennen um den bosniakischen Sitz im Staatspräsidium der Sozialdemokrat Denis Bećirović mit 55 Prozent der Stimmen vor dem Vorsitzenden der muslimisch-nationalistischen SDA-Partei, Bakir Izetbegović, mit 41 Prozent. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur. Die Berichte beruhen auf Angaben aus den Parteizentralen, denen die Teilergebnisse vorlagen. Mit offiziellen Ergebnissen wird erst am Montag gerechnet.

Der Sieg von Bećirović würde bedeuten, dass zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein SDA-Politiker im Staatspräsidium vertreten wäre. Im Rennen um den kroatischen Sitz dürfte sich den Teilergebnissen zufolge der bisherige Amtsinhaber, der nicht nationalistische Reformer Željko Komšić, durchgesetzt haben. Auf ihn sollen demnach 67 Prozent der Stimmen entfallen sein.

Der serbische Sitz dürfte hingegen in den Händen von Nationalisten bleiben. Die Kandidatin der im serbischen Landesteil regierenden SNSD, Željka Cvijanović, soll 60 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt haben. Sie ist eine Vertraute des serbischen Separatisten Milorad Dodik, der bislang den serbischen Sitz im Staatspräsidium innehatte. Er kandidierte diesmal für den Präsidentenposten im serbischen Landesteil und lag den Berichten zufolge vorn.

Neben dem Staatspräsidium wählten die Bürger Bosniens am Sonntag auch das Bundesparlament, die Parlamente in den beiden weitgehend selbstständigen Landesteilen, die Präsidentschaft in der Serbischen Republik (RS) und die Kantonsverwaltungen in der bosnisch-kroatischen Föderation (FBiH).

Wahlen auf drei Ebenen

Die Wahlen haben vor dem Hintergrund wachsender ethnischer Konflikte stattgefunden. Die Abstimmung war so komplex wie das Land selbst: Das in einen serbischen und einen kroatisch-muslimischen Teilstaat geteilte Land mit einer Zentralregierung wählte auf drei Ebenen: neben der gesamtstaatlichen Ebene wurden in der Republika Srpska, dem serbischen Landesteil, die regionalen Abgeordneten sowie der Präsident und seine zwei Stellvertreter gewählt. Beobachter gehen davon aus, dass der nationalistische Hardliner Milorad Dodik wieder Präsident der Republika Srpska wird. Der 63-Jährige hatte dieses Amt bereits zweimal inne.

jpa/dpa/afp
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