Brandkatastrophe in Ägypten »Alle trugen Kinder aus dem Gebäude«

Bei einem Brand in einer Kirche nahe Kairo sind mehr als 40 Menschen gestorben, darunter offenbar auch Kinder und der Pastor. Behördenangaben zufolge wurde ihnen der Rauch zum Verhängnis.
Spuren des verheerenden Feuers in einer koptischen Kirche in Ägypten

Spuren des verheerenden Feuers in einer koptischen Kirche in Ägypten

Foto: Tarek Wajeh / AP

Es war ein Gottesdienst, der in Flammen, mit Panik und Dutzenden Toten endete: Während der Messe in der koptischen Abu-Sifin-Kirche in Gizeh, einer Stadt südwestlich von Kairo, war am Sonntagmorgen ein Feuer ausgebrochen. Mindestens 41 Menschen kamen ums Leben, darunter auch Kinder, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Zudem soll der Priester der Kirche unter den Todesopfern sein.

Augenzeugen beschrieben, wie Anwohner des dicht besiedelten Stadtteils in die Kirche eilten, um zu helfen. »Alle trugen Kinder aus dem Gebäude«, sagte Ahmed Reda Baijumy der Nachrichtenagentur AFP. Aber das Feuer sei immer heftiger geworden, sodass die Helfer nicht noch einmal hätten hineingehen können.

»Die Menschen hatten sich im dritten und vierten Stock versammelt, und wir sahen Rauch aus dem zweiten Stock aufsteigen«, berichtete ein weiterer Augenzeuge, der Gottesdienstbesucher Yasir Munir. Menschen seien die Treppe hinuntergestürzt, andere seien gestolpert und auf sie gefallen.

Überlastet: Eine defekte Klimaanlage löste offenbar den Brand aus

Überlastet: Eine defekte Klimaanlage löste offenbar den Brand aus

Foto: MOHAMED ABD EL GHANY / REUTERS

Einsatzkräfte konnten den Brand nach Behördenangaben später unter Kontrolle bringen. Demnach waren 30 Krankenwagen im Einsatz, um die Opfer zu versorgen und in Krankenhäuser in der Nähe zu bringen. Eines der Feuerwehrautos verstopfte fast die gesamte Straßenbreite in dem dicht besiedelten Gebiet am linken Nilufer.

Es begann wohl mit einem Stromausfall

Laut dem ägyptischen Innenministerium wurde das Feuer durch eine defekte Klimaanlage im zweiten Stock des Gebäudes ausgelöst, in dem sich die Kirche befindet. Die Klimaanlage habe viel Rauch freigesetzt, »der die Hauptursache für die Verletzungen und Todesfälle war«, hieß es.

Pater Farid Fahmi von der nahe gelegenen Kirche Mar Jemina erklärte, das Feuer sei nach einem Stromausfall ausgebrochen: »Der Strom war ausgefallen, und sie benutzten einen Generator«, sagte er. »Als der Strom wieder da war, kam es zu einer Überlastung.«

Großeinsatz: Die Feuerwehr und 30 Krankenwagen waren im Einsatz

Großeinsatz: Die Feuerwehr und 30 Krankenwagen waren im Einsatz

Foto: KHALED KAMEL / EPA

Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi erklärte auf seiner Facebook-Seite, er habe alle staatlichen Stellen mobilisiert, um die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Später erklärte el-Sisi, er habe dem koptischen Kirchenoberhaupt Tawadros II. »telefonisch sein Beileid ausgesprochen«.

Etwa 10 bis 15 Millionen der insgesamt 103 Millionen Ägypter sind koptischen Glaubens. Obwohl sie zahlreich sind, fühlen sich die Kopten von vielen Ämtern ausgeschlossen und kritisieren etwa, dass die Gesetze für den Bau von Kirchen sehr viel strenger seien als die für den Bau von Moscheen.

El-Sisi ist der erste ägyptische Präsident, der jedes Jahr an der koptischen Weihnachtsmesse teilnimmt. Außerdem ernannte er kürzlich zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen koptischen Richter zum Vorsitzenden des Verfassungsgerichts.

dpa/afp/cgu
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