Rekordbrände in Brasilien Bolsonaro-Regierung zieht Feuerwehrleute ab

Im Amazonas brennen so viele Feuer wie lange nicht. Trotzdem ruft das brasilianische Umweltamt die Einsatzkräfte zurück - angeblich aus Geldmangel.
Brand im brasilianischen Nationalpark Chapada dos Veadeiros

Brand im brasilianischen Nationalpark Chapada dos Veadeiros

Foto: Myke Sena / dpa

Die brasilianische Umweltbehörde Ibama hat sämtliche Einsatzkräfte im Kampf gegen Waldbrände zurückbeordert und ihren drastischen Schritt mit Geldmangel begründet. "Ich verfüge den Rückzug aller Waldbrandbrigaden zu ihrer jeweiligen Basis", hieß es in einem Schreiben, aus dem das Nachrichtenportal "G1" zitierte. Unterschrieben hat es der Chef des "Nationalen Zentrums für die Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden".

Der Zeitung "Estado de S. Paulo" und dem Sender "TV Globo" zufolge kehrten die Einsatzkräfte schon zurück. Grund seien Probleme mit der Freigabe von Mitteln durch das Finanzministerium, heißt es in der Umweltbehörde. Man sei mit umgerechnet rund 2,9 Millionen Euro im Zahlungsrückstand.

Regierung streitet über Waldbrandbekämpfung

Umweltschützer warnen schon länger, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte. Sie machen dafür die Politik des rechtsgerichteten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro verantwortlich. Die Vernichtung des Amazonas-Waldes durch Feuer hat seit Beginn seiner Amtszeit im Januar 2019 dramatisch zugenommen.

Umweltminister Ricardo Salles nennen viele Brasilianer inzwischen "Umweltzerstörungsminister". Ihm untersteht auch das Ibama. Schon Ende August hatte er wegen der Blockade finanzieller Mittel die komplette Einstellung der Brandbekämpfung angekündigt. Vizepräsident Hamilton Mourao nannte dies "voreilig" und sagte, die Operationen würden weitergehen. Auch diesmal verkündete Mourao, der zugleich Vorsitzender des Amazonas-Rates ist, er wolle die Situation mit Salles klären.

Recherchen der Organisation Human Rights Watch zeigten zuletzt, dass die Umweltbehörde praktisch keine Bußgelder mehr gegen illegale Holzfäller verhängt. Im April erlaubte Salles zudem die Öffnung einiger Indigenen-Reservate zur kommerziellen Nutzung. Wenig später legalisierte er Tausende ehemalige Waldgrundstücke, die sich ihre nunmehr rechtmäßigen Besitzer durch Landraub angeeignet hatten.

Rekordbrände im Amazonas

In verschiedenen Regionen Brasiliens toben derzeit Waldbrände, etwa im Amazonas-Gebiet und im Pantanal, einem der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Welt. So wurden im Amazonas-Gebiet bis Donnerstag 89.604 Feuer registriert, wie aus den Daten des Weltrauminstituts Inpe hervorgeht. Das sind mehr als im ganzen vergangenen Jahr, damals lösten die verheerenden Brände noch internationale Empörung aus.

Im Pantanal war das Jahr schon Ende September das mit den meisten Feuern seit 2005. Die Brände zerstörten bereits 41.090 Quadratkilometer des Feuchtgebiets in den Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul. Das ist laut der Zeitschrift "Nature" mehr als das Doppelte der Fläche, die bei den Waldbränden in Kalifornien verbrannte.

slü/dpa
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