Blockaden nach Wahl Brasilianische Fußballfans räumen Straßensperren – und nun meldet sich auch Bolsonaro zu Wort

Seit Tagen blockieren Bolsonaro-Anhänger aus Protest gegen die Wahlniederlage Straßen und Autobahnen. Zuletzt schritten Fußballfans ein. Auch vom amtierenden Präsidenten selbst kam ein Appell.
Bolsonaro-Anhänger

Bolsonaro-Anhänger

Foto: Amanda Perobelli / REUTERS

Ihr Präsident ist abgewählt, ihr Frust ist groß: Auch drei Tage nach der Wahlschlappe von Jair Bolsonaro blockieren seine Anhänger an verschiedenen Orten in Brasilien Straßen und Autobahnen. Sie weigern sich, die Niederlage gegen Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva zu akzeptieren – und sorgen so in vielen Teilen des Landes für ein Verkehrschaos. In der Folge hatte der Oberste Gerichtshof am Dienstag entschieden, die Bundespolizei müsse Maßnahmen zur Räumung der Straßen ergreifen. Wo dies nicht gelang, nahmen sich nun offenbar Fußballfans der Sache an.

Wie der britische »Guardian« berichtet , brachten die Bolsonaro-Anhänger mit ihren Blockaden nicht nur den essenziellen Lkw-Güterverkehr zum Erliegen, sondern auch die Fußballfans gegen sich auf. Die sahen sich auf ihren Fahrten zu Auswärtsspielen behindert. Nach Angaben der Zeitung »O Globo« durchbrachen mindestens vier Vereinigungen von Fußballultras die Barrikaden der Bolsonarista in den Bundesstaaten Minas Gerais, São Paulo und Paraná, um zu den Spielen der Brasileirão, der wichtigsten brasilianischen Fußballliga, zu gelangen. Auf Internetvideos ist zu sehen, wie Fans Reifen von der Straße räumen und Lastwagen wegfahren. »Die Truppe, die die Barrikaden sprengt, ist da«, sagt ein Mann.

In der Nacht zu Donnerstag meldete sich dann auch Bolsonaro selbst zu dem Thema zu Wort. Er forderte seine Anhänger auf, die Straßenblockaden aufzulösen. »Ich appelliere an euch: Gebt die Straßen frei«, sagte der rechtsextreme Politiker in einem Twitter-Video. Andere Proteste »an anderen Orten« seien hingegen »willkommen«, da sie »Teil des demokratischen Spiels« seien, ergänzte er. »Ich bin an eurer Seite und bin sicher, dass ihr an meiner seid«, fuhr er fort. Die Straßen sollten aber »zum Wohl unserer Nation« freigegeben werden.

In den sozialen Medien hatten sich die Brasilianer amüsiert bei den Ultras für die Verteidigung der Demokratie bedankt. Nach der Räumung eines Autobahnabschnitts in São Paulo hängten die Fans des ansässigen Klubs Corinthians denn auch ein Transparent mit der Aufschrift »Wir sind für die Demokratie« auf – und skandierten dabei den Namen Lulas. Corinthians ist nicht nur das Team des designierten Präsidenten Lula, sondern auch für seinen Widerstand gegen die brasilianische Militärdiktatur von 1964 bis 1985 bekannt, der von Fußballern wie Sócrates und Casagrande angeführt wurde.

Die rechtsgerichteten Anhänger Bolsonaros fordern nach der Wahlpleite eine Militärintervention nach dem Vorbild des Militärputsches von 1964. Der Nationale Industrieverband (CNI) warnte infolge der Straßenblockaden bereits vor Versorgungsengpässen und Treibstoffmangel. Nach Angaben des Verbands der Supermärkte gibt es in einigen Bundesstaaten bereits Lieferprobleme, vor allem bei Obst, Gemüse und Fleisch.

Bolsonaro-Anhänger zeigen Hitlergruß

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme nach seiner Wahlniederlage hatte Bolsonaro am Dienstag Verständnis für die Proteste geäußert. »Die aktuellen Demonstrationen sind das Ergebnis von Empörung und einem Gefühl der Ungerechtigkeit über die Art und Weise, wie der Wahlprozess durchgeführt wurde«, sagte der rechte Staatschef. Er hatte zuvor selbst Zweifel am Wahlsystem gestreut. Beweise dafür legte er allerdings nie vor.

Bolsonaro-Anhänger haben unterdessen bei Protesten im Süden des Landes den Hitlergruß gezeigt. Hunderte Demonstranten reckten vor einer Kaserne in der Ortschaft São Miguel do Oeste ihren Arm zum faschistischen Gruß in die Höhe und sangen die Nationalhymne, wie der Fernsehsender Globo am Mittwoch berichtete.

Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Santa Catarina leitete Ermittlungen ein. Das Verwenden nationalsozialistischer Symbole ist auch in Brasilien eine Straftat.

aeh/jok/dpa
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