Brasiliens Präsident Bolsonaro mit Coronavirus infiziert

Brasilien hat so viele Corona-Fälle wie kaum ein anderes Land. Nun wurde auch Präsident Jair Bolsonaro, 65, positiv auf das Virus getestet.
Jair Bolsonaro: Anfangs hatte er Covid-19 mit einer "kleinen Grippe" verglichen

Jair Bolsonaro: Anfangs hatte er Covid-19 mit einer "kleinen Grippe" verglichen

Foto: Adriano Machado/ REUTERS

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro steht seit Monaten für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie in der Kritik. Obwohl sein Land längst zu einem Hotspot geworden ist, unterschätze er das Virus, lautet der Vorwurf. Und tatsächlich ist es noch nicht lange her, dass er Covid-19 mit einer "kleinen Grippe" verglichen hat. Nun hat sich Bolsonaro selbst mit dem Virus infiziert. Das teilte der Staatschef nach einem positiven Test in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Brasília mit.

Er habe am Sonntag begonnen sich unwohl zu fühlen, sagte der 65-Jährige. Am Montag hätten sich die Symptome verstärkt. Er habe unter "Müdigkeit, Unwohlsein und Fieber von 38 Grad gelitten". Seine Lunge, die er in einem Militärkrankenhaus röntgen ließ, sei jedoch "sauber" gewesen. Die Ärzte hätten ihm Hydroxychloroquin und das Antibiotikum Azithromycin gegeben, "danach fühlte ich mich besser".

Brasilien ist neben den USA derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie. Bislang haben sich in dem größten Land Lateinamerikas 1,6 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, 64.867 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch deutlich höher liegen, da in Brasilien nur recht wenig getestet wird.

Ebenso wie US-Präsident Donald Trump hat Bolsonaro wiederholt für Hydroxychloroquin im Kampf gegen die Pandemie geworben. Der Einsatz dieses Mittels gegen das Coronavirus ist jedoch umstritten.

Kein Mundschutz, aber Selfies mit seinen Anhängern

Die brasilianische Regierung hat die Pandemie von Anfang an heruntergespielt. Präsident Bolsonaro stemmte sich gegen Schutzmaßnahmen. Der rechte Staatschef fürchtete die wirtschaftlichen Schäden eines Lockdowns. Immer wieder zeigte er sich ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit, löste Massenaufläufe aus und machte Selfies mit Anhängern.

Auch am Wochenende war Bolsonaro wieder viel unter Menschen, teilweise ohne Maske: Am Samstag nahm er gemeinsam mit mehreren Ministern und einem seiner Söhne an einem Essen anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages in der US-Botschaft teil. Zudem flog er in den Bundesstaat Santa Catarina, um sich nach den schweren Unwettern ein Bild der Lage zu machen.

Im Streit über den richtigen Umgang mit der Pandemie warfen bereits zwei Gesundheitsminister das Handtuch. Zuletzt legte Bolsonaro sein Veto gegen eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen wie Kirchen, Geschäften und Schulen ein.

Zwar haben eine Reihe von Bundesstaaten und Städten auf eigene Faust Schutzmaßnahmen ergriffen, allerdings werden die Einschränkungen an vielen Orten bereits wieder gelockert. In der Millionenmetropole Rio de Janeiro etwa öffneten sogar Restaurants und Bars schon wieder, auf der Strandpromenade an der Copacabana tummeln sich bereits wieder zahlreiche Menschen.

asc/dpa
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