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Acht Milliarden – Der Auslands-Podcast Droht Brasilien ein Militärputsch?

Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro sät seit Monaten Zweifel an der anstehenden Wahl: Sollte er verlieren, könne das nur Betrug sein. Was dem Land bevorsteht.

»Nur Gott wird mich von der Macht entfernen!«

Das sagte Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro anlässlich der 200-Jahr-Feier seines Landes am 7. September dieses Jahres. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bolsonaro längst sein Narrativ etabliert, dass er in den Umfragen weit vorn liege und eine Wahlniederlage somit nur durch Fälschung und Betrug zu erklären sei. Regierungstreue Medien unterfütterten diese Erzählung mit falschen Umfragewerten, in denen von bis zu 50 Prozent Zuspruch für den rechtsradikalen Politiker die Rede war. Und Bolsonaro lässt keine Gelegenheit verstreichen, die angebliche Manipulierbarkeit der elektronischen Abstimmungsvorrichtungen durch Hacker anzuprangern, obwohl die Maschinen weder mit dem Internet oder lokalen Netzwerken verbunden sind, noch via Bluetooth oder ähnlichen Systemen angesteuert werden können.

Tatsächlich sehen die etablierten Institute Bolsonaros Herausforderer Luiz Inácio Lula vor der ersten Runde der Wahl am 2. Oktober 2022 deutlich in Führung – was Bolsonaros Narrativ umso gefährlicher macht.

»Seine Unterstützer, 20 bis 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler, glauben tatsächlich, dass der Wahlprozess betrugsanfällig ist«, berichtet Marian Blasberg, Reporter des SPIEGEL in Rio de Janeiro. »Das heißt, wenn Bolsonaro nach der Wahl ähnlich wie Donald Trump Wahlbetrug ruft, dann könnte es sein, dass diese Leute, von denen sich viele in den letzten Jahren aufgrund von Bolsonaros Politik bewaffnet haben, tatsächlich Chaos anrichten. Bolsonaro hat selbst nach dem Sturm auf das Washingtoner Kapitol im Januar 2021 gesagt, dass es hier in Brasilien schlimmer kommen könnte. Das waren seine Worte.«

Jair Bolsonaro – selbst Hauptmann der Reserve und Liebhaber militärischer Posen – hat Tausende Militärs mit neuen Posten versorgt, auch in der Regierung. Und er stärkte so auch die konservativen bis rechten Kräfte des Landes. »Brasilien hatte eigentlich nie offiziell eine starke Rechte. Wir waren alle irgendwie Sozialdemokraten, und selbst die rechten Parteien haben sich irgendwie ein sozialdemokratisches Mäntelchen umgehängt, weil nach der Diktatur die Rechte verpönt war«, erklärt Jens Glüsing, der seit 1991 für den SPIEGEL aus Brasilien berichtet. »Aber die hat es natürlich gegeben. Und diese Leute haben unter Bolsonaro eine Stimme bekommen und sehen sich plötzlich vertreten.« Das sei rund ein Drittel der Gesellschaft. »Der größte Teil von denen hat kein wirklich demokratisches Bewusstsein, sondern ist autoritär gestrickt. Und jetzt sind wir an einem Punkt, wo der Riss selbst durch Familien geht. Überall geht es darum: Bolsonaro oder nicht Bolsonaro.«

Wie groß ist die Gefahr eines Staatsstreiches, sollte Bolsonaro die Wahl verlieren? Wie sehr vertrauen die Menschen dem Herausforderer Lula noch, der nach jahrelangen Korruptionsprozessen vollständig exkulpiert wurde? Und welche Signale sendet das Militär? Darüber sprechen Jens Glüsing und Marian Blasberg in dieser Episode von »Acht Milliarden«.

Die aktuelle Folge hören Sie hier:

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