Stichwahl in Brasilien Ausgeschiedene Mitte-rechts-Kandidatin in Brasilien unterstützt Lula

In Brasiliens Präsidentschaftswahlen landete Simone Tebet auf dem dritten Platz. In der Stichwahl will die Mitte-rechts-Politikerin selbst für den linken Lula da Silva stimmen. Und geht damit weiter als ihre Partei.
Der linke Präsidentschaftskandidat Lula da Silva erhielt in der ersten Wahlrunde 48 Prozent der Stimmen

Der linke Präsidentschaftskandidat Lula da Silva erhielt in der ersten Wahlrunde 48 Prozent der Stimmen

Foto: Amanda Perobelli / REUTERS

In Brasilien hat die ausgeschiedene Mitte-rechts-Kandidatin Simone Tebet dem linksgerichteten Präsidentschaftskandidaten Luiz Inácio Lula da Silva ihre Unterstützung zugesichert. Sie werde in der Stichwahl für Lula stimmen, »weil ich bei ihm einen Einsatz für die Demokratie und die Verfassung sehe, die ich bei dem Präsidenten (Jair Bolsonaro) nicht erkenne«, erklärte Tebet am Mittwoch vor Journalisten in São Paulo. Ihre Partei MDB gab hingegen keine Wahlempfehlung für die Stichwahl ab.

Lula hatte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl zwar gesiegt und rund 48 Prozent der Stimmen erhalten. Der rechtsextreme Amtsinhaber Bolsonaro schnitt aber sehr viel besser ab  als erwartet und kam auf rund 43 Prozent. Die Stichwahl findet am 30. Oktober statt, es wird ein enges Rennen erwartet. Deshalb ist die Unterstützung der in der ersten Runde ausgeschiedenen Kandidaten für beide immens wichtig. Tebet war in der ersten Wahlrunde am Sonntag mit vier Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz gelandet.

Die Unterstützenden von Bolsonaro sehen ihren Staatschef als Verteidiger traditioneller Familienwerte und wirtschaftlicher Freiheit. Radikale Anhängerinnen und Anhänger des Hauptmanns der Reserve forderten bei Demonstrationen unverhohlen einen Militärputsch. Der rechte Präsident hatte zuletzt immer wieder Zweifel am Wahlsystem gestreut und angedeutet, das Ergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen. »Worauf es ankommt, sind saubere Wahlen ohne Probleme«, sagte er am Sonntag. »Möge der Bessere gewinnen.« Bolsonaro beschuldigte die Meinungsforschungsinstitute, vor der Wahl am Sonntag seine Unterstützung nicht richtig eingeschätzt zu haben.

Sollte Ex-Präsident Lula (2003–2010) auch in der zweiten Runde gewinnen, wäre er der erste demokratische Präsident Brasiliens, der in eine dritte Amtszeit geht. Viele Anhängerinnen und Anhänger des 76-Jährigen verbinden Lula mit den goldenen Zeiten Brasiliens, als die Wirtschaft aufgrund der hohen Rohstoffpreise boomte und die Regierung mithilfe von Sozialprogrammen Millionen Menschen aus der bittersten Armut holte. Für seine Gegner hingegen ist Lula verantwortlich für Korruption und Vetternwirtschaft.

muk/AFP
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