Supreme-Court-Richter 26-Jähriger wegen versuchten Mordes an Brett Kavanaugh angeklagt

Er trug eine Schusswaffe bei sich, als er vor dem Haus Brett Kavanaughs festgenommen wurde: Einem Kalifornier drohen bis zu 20 Jahre Haft. US-Präsident Joe Biden verurteilte die Drohungen gegen den Richter.
Brett Kavanaugh (2018): Einer von sechs konservativen Richtern am Obersten Gericht der USA

Brett Kavanaugh (2018): Einer von sechs konservativen Richtern am Obersten Gericht der USA

Foto: Jonathan Ernst / REUTERS

Ein bewaffneter Mann, der vor dem Haus des konservativen Supreme-Court-Richters Brett Kavanaugh festgenommen wurde, ist des versuchten Mordes an einem US-Richter angeklagt worden. Nicholas R. hatte laut Staatsanwaltschaft  bei seiner Festnahme eine Schusswaffe, ein Messer und Pfefferspray bei sich.

Der 26-Jährige wurde demnach in der Nacht zum Mittwoch von zwei Polizisten vor Kavanaughs Haus gesichtet. Er sei dann in eine andere Richtung gegangen. Kurz darauf wählte R. den Ermittlern zufolge den Notruf und sagte, er hege Suizidgedanken. Er sei aus Kalifornien angereist, um Kavanaugh zu töten. Die Polizei nahm ihn wenig später fest.

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Laut einer Aussage von FBI-Beamten sagte der Mann aus, er sei wütend über eine bevorstehende Entscheidung des Supreme Courts zum Abtreibungsrecht sowie über den Schusswaffenangriff an einer Schule in Texas im Mai. Der Mann sei davon ausgegangen, dass Kavanaugh Entscheidungen vertreten wolle, durch die das Waffenrecht in den USA weiter gelockert werde. Vor dem Supreme Court soll in Kürze eine Entscheidung fallen, durch die Waffenkontrollgesetze in New York gekippt werden könnten.

Bei einer Verurteilung drohen R. bis zu 20 Jahren Haft. US-Präsident Joe Biden verurteilte die Drohungen gegen Kavanaugh »aufs Schärfste«, wie das Weiße Haus mitteilte.

Der Vorfall ereignete sich vor einem mit Spannung erwarteten Urteil des Supreme Court zum Abtreibungsrecht. Ein Anfang Mai durchgesickerter Urteilsentwurf zeigt, dass die konservative Mehrheit der Richter an dem Gerichtshof kurz davor steht, das in dem Grundsatzurteil »Roe v. Wade« von 1973 verankerte Recht auf Abtreibung in den USA zu kippen. Die US-Bundesstaaten hätten dann freie Hand, Abtreibungen zu verbieten oder den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen drastisch einzuschränken.

Die endgültige Entscheidung des Gerichts wird im Laufe des Monats erwartet. Nach Bekanntwerden des Urteilsentwurfs hatte es bereits Proteste vor den Häusern mehrerer konservativer Supreme-Court-Richter gegeben, darunter auch der von Ex-Präsident Donald Trump ernannte Kavanaugh. Die Sicherheitsvorkehrungen vor den Häusern der Richter sowie vor dem Gerichtsgebäude selbst wurden daraufhin erhöht.

Kavanaugh zählt zu den sechs Richtern am Obersten Gericht der USA, die als konservativ gelten. Sie stehen drei liberaler eingestellten Richtern gegenüber.

bbr/AFP/Reuters
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