DER SPIEGEL

Superstau in England Hunderte Lkw-Fahrer gestrandet

Die Coronakrise gibt einen Vorgeschmack auf ein mögliches Brexit-Chaos an den britischen Grenzen. Es drohen Versorgungsengpässe – und viele Lkw-Fahrer kommen nicht rechtzeitig zu Weihnachten nach Hause.

Die englische Autobahn M20 in Richtung Dover ist derzeit ein großer Lkw-Parkplatz. Wegen der neuen Coronavirus-Variante in Großbritannien ist die Grenze zu Frankreich seit Sonntagabend geschlossen. Hunderte Lastwagenfahrer sind zum Warten verdammt. Auch Stanislaws Olbrich aus Polen. 

Stanislaws Olbrich, Lastwagenfahrer 
»Ich habe drei Kinder und eine Frau. Sie brauchen mich an Weihnachten zu Hause. Weihnachten ist in Polen ein sehr besonderer Feiertag, sehr religiös, sehr traditionell. Für Polen ist es sehr hart, an Weihnachten nicht zu Hause zu sein. Diese Situation ist schlimm für mich.«

Mit einem solchen Superstau an der Grenze hatten die britischen Behörden gerechnet, allerdings erst zum Jahreswechsel im Falle eines harten Brexits. Die Virus-Notlage gibt nun einen Vorgeschmack davon, und manche Briten hamstern sicherheitshalber schon mal los. Das britische Lebensmittelunternehmen Sainsbury’s warnte vor Versorgungsengpässen, sollte die Grenze länger geschlossen bleiben. Ähnlich könnte es im Fall eines harten Brexits aussehen. Premierminister Johnson gab sich dennoch gelassen, obwohl es immer noch keinen Durchbruch in den Verhandlungen um ein Handelsabkommen mit der EU gibt. 

Boris Johnson, Premierminister Großbritannien 
»Es gibt Probleme. Alle müssen begreifen, dass Großbritannien die komplette Hoheit über seine Gesetze braucht und auch seine Fischerei kontrollieren muss. (…) Wir können ganz sicher mit allen Schwierigkeiten umgehen, die uns gemacht werden.«

Frankreich sucht derzeit nach einer Regelung für eine Wiederöffnung der Grenze. Trotzdem dürften es für viele Lastwagenfahrer knapp werden mit einer rechtzeitigen Rückkehr nach Hause zu Weihnachten. 

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