Nach Rassismusdebatte Britische Regierung will Abschaffung von Denkmälern erschweren

Im Sommer hatten Black-Lives-Matter-Aktivisten eine Sklavenhändlerstatue in Bristol gestürzt. Weitere folgten. Die Regierung von Boris Johnson will der Anti-Rassismus-Bewegung nun ein Ende bereiten.
Denkmalsturz in Bristol vom Juni 2020: Demonstrierende stürzen die Statue von Sklavenhalter Edward Colston ins Hafenbecken

Denkmalsturz in Bristol vom Juni 2020: Demonstrierende stürzen die Statue von Sklavenhalter Edward Colston ins Hafenbecken

Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa

In der Debatte über Großbritanniens kolonialistisches Erbe will die britische Regierung die Gedenkstätten des Landes vor Abschaffung oder Umbenennung bewahren. »Ich werde das Gesetz ändern, um historische Denkmäler zu schützen und klarzumachen, dass wir die Fehler vergangener Generationen nicht wiederholen«, schrieb der britische Bauminister Robert Jenrick in einem Gastbeitrag im »Sunday Telegraph« .

Künftig müsse ein formaler Prozess eingeleitet werden, wenn Teile des kulturellen britischen Erbes entfernt werden sollten. Details zu seinem Gesetzesvorstoß will der konservative Politiker am Montag im Parlament erläutern.

Denkmalsturz im Namen von Black Lives Matter

Jenrick reagiert damit auf mehrere Denkmal-Angriffe aus dem vergangenen Sommer. Im Zuge der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai in den USA hatten Demonstranten in Bristol das Denkmal des Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel gestürzt und ins Hafenbecken geworfen. Die Aktion wurde zu einem Symbol der Black-Lives-Matter-Proteste in Großbritannien. Colston (1636 bis 1721) wird in Bristol seit Jahrhunderten als Wohltäter verehrt, weil er Armenhäuser und Schulen unterstützte. Sein Reichtum gründete jedoch zu einem erheblichen Teil auf dem Handel mit Sklaven.

Auch eine Statue des früheren Premiers Winston Churchill auf dem zentralen Londoner Parliament Square war wiederholt attackiert worden. Zudem gab es Debatten über die Umbenennung von Straßen, Plätzen oder Denkmälern, die im Zusammenhang mit Großbritanniens kolonialer Vergangenheit stehen. Das renommierte British Museum hatte aus Eigenintiative eine Büste seines Gründervaters Hans Sloane, der Sklaven für sich arbeiten ließ, von seinem ursprünglichen Platz entfernt.

Minister Jenrick kritisierte die Aktionen: »Wir werden Großbritanniens Statuen vor den wachsamen Militanten retten, die unsere Vergangenheit zensieren wollen.«

Boris Johnson empört über »Selbstdiskriminierung«

Ärger hatte es in Großbritannien zuletzt auch wegen zweier sehr patriotischer Lieder gegeben, die traditionell beim berühmten »Last Night of the Proms«-Konzert gespielt werden. Kritiker hatten gefordert, die Stücke aus dem Programm zu streichen. In dem Werk »Rule, Britannia!« von 1740 heißt es unter anderem: »Herrsche Britannia... Briten werden niemals Sklaven sein.« Zu dem Lied singen viele Briten beim Finale der jährlichen Sommerkonzertreihe stets kräftig mit und schwenken dabei Union-Jack-Fähnchen. Auch das Lied »Land of Hope and Glory«, das stets zum Abschluss gespielt wird, stand auf der Kippe.

Nach einem Streit fand die BBC als Veranstalter eine Lösung: Beide Lieder waren in Orchesterversionen – also ohne Gesang – zu hören. Premierminister Boris Johnson hatte damals wütend auf die Änderungen reagiert. Er forderte ein Ende der »Selbstdiskriminierung«.

mrc/dpa
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