Proteste in Brüssel Mehr als 400 Migranten beenden vorerst Hungerstreik

Zwei Monate lang protestierten sie für ihr Bleiberecht. Nun unterbrechen mehr als 400 Sans Papiers ihren Hungerstreik in Brüssel. Die belgische Regierung habe eine »helfende Hand« gereicht. Wie die aussehen könnte, ist aber noch offen.
Teilnehmer am Hungerstreik in Brüssel: Zuletzt war die Aktion eskaliert – mehrere Menschen mussten gesundheitlich behandelt werden

Teilnehmer am Hungerstreik in Brüssel: Zuletzt war die Aktion eskaliert – mehrere Menschen mussten gesundheitlich behandelt werden

Foto: Nils Quintelier / dpa
Globale Gesellschaft

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Mehr als 400 Migranten haben in Belgien mit einem Hungerstreik auf ihre Situation aufmerksam gemacht und die Regierung aufgefordert, Aufenthaltserlaubnisse auszustellen. Am Mittwoch beendeten sie ihren Hungerstreik nach fast zwei Monaten. Es habe Treffen mit Regierungsvertretern gegeben, bei denen es zu »Vereinbarungen« gekommen sei, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Vertreter der Streikenden. Wie Belga weiter berichtet, war zunächst unklar, ob wirklich alle Streikenden wieder bereit waren, Nahrung zu sich zu nehmen.

Die Menschen hätten die Aktion »vorübergehend ausgesetzt«, teilten Unterstützer nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP mit. Sie begrüßten, dass die Regierung »eine helfende Hand« gereicht habe. Demnach wurde den Menschen vorgeschlagen, ihre »außergewöhnlichen Umstände« – sowie im Falle von einigen wenigen »die Möglichkeit des internationalen Schutzes« – bei den Behörden vorzubringen. Den Angaben zufolge soll ab Donnerstag jeder Streikende über seine jeweiligen Möglichkeiten hinsichtlich einer Aufenthaltserlaubnis informiert werden.

»Die Beendigung des Hungerstreiks ist die einzig richtige Entscheidung«, erklärte Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo laut AFP. Er betonte jedoch, dass sich die Regierung nicht erpressen lasse.

Am 23. Mai waren die etwa 450 undokumentierten Migranten in den Hungerstreik getreten. Sie halten sich in einer Kirche und in Universitätsgebäuden in Brüssel auf. Die vornehmlich aus Algerien und Marokko stammenden Migranten fordern ein Bleiberecht mit Zugang zum Arbeitsmarkt.

Der Streik war jüngst weiter eskaliert, als ein Teil der Migranten eigenen Angaben zufolge auch auf Wasser verzichtete. Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt hatte daher vor möglichen Todesfällen gewarnt. In Belgien leben rund 150.000 Migranten ohne Papiere. Sie seien der Ausbeutung des Arbeits- und Wohnungsmarkts ausgesetzt, warnten Uno-Experten vergangene Woche.

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ime/dpa/AFP