Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte Niedrigste Zahl ziviler Opfer in Syrien seit 2011

Nach dem Beginn der Waffenruhe in der Provinz Idlib sind im März in Syrien so wenige Zivilisten getötet worden wie seit Beginn des Bürgerkriegs nicht. Doch nun droht dem Land eine Corona-Epidemie.
Sorge vor Corona: Ein Mitglied der syrischen "Weißhelme" desinfiziert ein zerstörtes Schulgebäude in Idlib

Sorge vor Corona: Ein Mitglied der syrischen "Weißhelme" desinfiziert ein zerstörtes Schulgebäude in Idlib

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MUHAMMAD HAJ KADOUR/ AFP

Die Waffenruhe im syrischen Rebellengebiet Idlib zeigt offenbar Wirkung: Oppositionsnahen Aktivisten zufolge war im vergangenen Monat die niedrigste Zahl getöteter Zivilisten seit Ausbruch des Bürgerkriegs zu verzeichnen. Im März seien landesweit 103 Zivilisten um Leben gekommen, darunter 16 Frauen und neun Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehr als die Hälfte sei bei Angriffen der syrischen Regierung und ihres Verbündeten Russland gestorben.

Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in Großbritannien. Sie bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk aus Ärzten und Aktivisten in Syrien. Die Angaben sind oft nicht unabhängig überprüfbar, haben sich in der Vergangenheit aber meist als zuverlässig erwiesen.

Der Konflikt in Syrien war im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad ausgebrochen. Die syrische Führung ging damals mit Gewalt gegen die Demonstrationen vor. Die Beobachtungsstelle hatte im Januar mitgeteilt, dass in dem Krieg seither mehr als 380.000 Menschen getötet worden seien.

Corona-Pandemie löst Befürchtungen aus - Dunkelziffer der Infektionen offenbar deutlich höher

Bis Anfang März hatte es schwere Kämpfe und zahlreiche Luftangriffe im letzten großen Rebellengebiet um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens gegeben. Seit rund vier Wochen gilt dort eine Waffenruhe, auf die sich die Schutzmächte Russland und Türkei geeinigt hatten.

In den von Regierungsgegnern kontrollierten Gebieten im Norden und Nordwesten Syriens herrscht ein humanitärer Notstand. Nach Uno-Angaben wurden seit Anfang Dezember fast eine Million Menschen durch die heranrückenden Regierungstruppen vertrieben, der Einmarsch türkischer Soldaten verschärfte die Konfrontation. Es fehlt an Nahrung, Unterkünften und medizinischer Versorgung.

Beobachter warnen, eine Ausbreitung des Coronavirus könnte dort viele Tote zur Folge haben. Die Regierung hat bisher in den von ihr kontrollierten Gebieten zehn Corona-Infizierungen und zwei Todesfälle gemeldet. SPIEGEL-Recherchen deuten jedoch darauf hin, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

mes/dpa
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