Parteianhänger jubeln Bulgariens Ex-Ministerpräsident Borissow freigelassen

Einen Tag nach seiner Festnahme wegen des angeblichen Missbrauchs von EU-Geldern ist der frühere Regierungschef Bulgariens wieder auf freiem Fuß. Ermittlungen gegen Boiko Borissow wegen Erpressung laufen indes weiter.
Boiko Borissow (2020 in Brüssel)

Boiko Borissow (2020 in Brüssel)

Foto: Olivier Matthys / dpa

Der frühere bulgarische Ministerpräsident Boiko Borissow ist wieder frei. 24 Stunden nach seiner Festnahme verließ er am Freitagabend die Polizeizentrale in der Hauptstadt Sofia, wie Medien berichteten.

Seine Festnahme am Vorabend sei »brutal und empörend« gewesen, sagte der 62-jährige Borissow vor Reportern. Anhänger seiner GERB-Partei, die sich vor der Polizeizentrale versammelt hatten, jubelten. Freigelassen wurden auch Ex-Finanzminister Wladislaw Goranow sowie Borissows frühere Medienberaterin Sewdalina Arnaudowa, die ebenso am Vorabend in Haft genommen wurden.

Am Tag nach Borissows Festnahme brachte die Justiz seine Inhaftierung nicht mehr mit einem Missbrauch von EU-Geldern in Zusammenhang. Die Staatsanwaltschaft von Sofia teilte mit, die vorgerichtliche Ermittlung laufe wegen des Verdachts auf Erpressung und schließe die Zuständigkeit der EU-Staatsanwaltschaft aus. Dies steht im Widerspruch zu einer ursprünglichen Information des Innenministeriums, die inzwischen von der Webseite entfernt wurde. Konkrete Vorwürfe gab es nicht.

Hinweis aus Dubai

Finanzminister Assen Wassilew führte Borissows Festnahme auf einen Hinweis eines im Exil in Dubai lebenden bulgarischen Glücksspielmagnaten zurück, gegen den in Bulgarien 18 Anklagen erhoben worden sind. Dieser wirft Borissow sowie Ex-Finanzminister Goranow und Borissows Medienberaterin Arnaudowa Erpressung vor.

Borissow war von 2009 bis 2021 mit kurzer Unterbrechung Bulgariens Regierungschef gewesen. Erst am vergangenen Sonntag wurde der 62-Jährige als Chef seiner bürgerlichen Partei GERB wiedergewählt, die aktuell größte Oppositionskraft ist. Demonstranten warfen Borissow wiederholt korrupte Amtsführung vor.

atb/dpa/AFP