Prognosen Kopf-an-Kopf-Rennen bei Wahl in Bulgarien

In Bulgarien zeichnet sich bei den dritten Wahlen innerhalb eines Jahres kein klarer Sieger ab. Bei der Abstimmung über einen neuen Präsidenten liegt Staatschef Radew deutlich vorn, hat aber noch längst nicht gewonnen.
Kiril Petkov, Vorsitzender der neuen Anti-Korruptions-Partei PP, nach seiner Stimmabgabe

Kiril Petkov, Vorsitzender der neuen Anti-Korruptions-Partei PP, nach seiner Stimmabgabe

Foto: Valentina Petrova / dpa

Bei der Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich Prognosen zufolge ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der neuen Anti-Korruptions-Partei PP und der bürgerlichen GERB-Partei ab. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, liegt die Anti-Korruptions-Partei »Wir führen den Wandel fort« (PP) nach Prognosen verschiedener Meinungsforschungsinstituten mit mehr als 26 Prozent der Stimmen überraschend vorn. Die bürgerliche GERB von Ex-Ministerpräsident Boiko Borissow landete demnach auf Platz zwei mit rund 23,5 Prozent. Die Prognose basiert auf Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe. Die aus den früheren Kommunisten hervorgegangenen Sozialisten (BSP) kämen den Prognosen zufolge mit rund 14 Prozent auf Platz drei.

Bis zu sieben Parteien dürften die Vier-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament überwinden. Mit amtlichen Zwischenergebnissen war vorerst nicht zu rechnen.

Die dritte Parlamentswahl innerhalb eines Jahres wurde notwendig, weil auch die erst im Juli gewählte Volksversammlung keine regierungsfähige Mehrheit zustande bringen konnte. Sollte es erneut nicht gelingen, den politischen Stillstand zu überwinden und ein funktionsfähiges Kabinett zu bilden, könnte dies auch die Pläne des Landes zur Einführung des Euro bis 2024 verzögern.

Mit knapp 50 Prozent muss Staatsoberhaupt Radew wohl in die Stichwahl

Die Prognosen vom Sonntagabend unterstreichen die tiefen politischen Spaltungen in Bulgarien nach einem Jahrzehnt unter der Regierung Borissows. Das Land kämpft gegen einen Anstieg der Coronavirus-Fälle und hohe Energiekosten. Zudem sind viele Bürgerinnen und Bürger wütend über die weit verbreitete Korruption im Land. Analysten hatten im Vorfeld der jüngsten Wahl erklärt, Borissow werde wohl keine Verbündeten für eine Koalition finden. Politische Differenzen und Rivalitäten hinderten daran aber bislang auch seine politischen Gegner. Nach Einschätzung von Meinungsforschern könnte diesmal um die Anti-Korruptions-Partei eine reformorientierte Regierung entstehen.

Bei der zeitgleich stattfindenden Präsidentenwahl hat Staatsoberhaupt Rumen Radew Prognosen zufolge die erste Runde mit gut 49 Prozent der Stimmen klar für sich entschieden. Trotzdem muss er in eine Stichwahl gegen den zweitplatzierten Anastas Gerdschikow (25 Prozent) gehen, da er nicht mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

tfb/dpa/AFP/Reuters