Aus finanziellen Gründen Verteidigungsministerium stoppt Vergabeverfahren für Transporthubschrauber

Schwerer Rückschlag für ein wichtiges Modernisierungsprojekt der Bundeswehr: Das Verteidigungsministerium hat das Vergabeverfahren für einen neuen Transporthubschrauber aufgehoben.
Transporthubschrauber der Bundeswehr: Die Maschinen sind massiv überaltert und durch notwendige Reparaturen nur bedingt einsatzbereit

Transporthubschrauber der Bundeswehr: Die Maschinen sind massiv überaltert und durch notwendige Reparaturen nur bedingt einsatzbereit

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Im kommenden Jahr sollte ein neuer Transporthubschrauber für die Bundeswehr in Auftrag gegeben werden. Nun hat das Bundesverteidigungsministerium das Vergabeverfahren aus finanziellen Gründen gestoppt. Der ursprünglich für das kommende Jahr angepeilte Vertragsabschluss könne "unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht erreicht werden", teilte das Ministerium mit. Im Rahmen des 2019 gestarteten Vergabeverfahrens sei erkannt worden, "dass eine Realisierung des Projektes im geplanten Finanzrahmen bei gleichzeitiger Erfüllung aller Forderungen unwahrscheinlich" sei.

Die vorliegenden Angebote seien als unwirtschaftlich bewertet worden, hieß es weiter. Der Zeitplan verschiebe sich nun, sodass ein Vertragsschluss im kommenden Jahr nicht mehr erreicht werden könne. Das Projekt bleibe jedoch weiterhin Priorität. Bis Ende des Jahres wolle Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Fahrplan vorlegen, wie weiter vorgegangen werden soll.

Transporthubschrauber der Bundeswehr sind massiv überaltert

Die Transporthubschrauber der Bundeswehr sind deutlich überaltert und durch notwendige Reparaturen nur bedingt einsatzbereit. Gerade für Auslandseinsätze wie in Afghanistan aber sind die Helikopter von großer Bedeutung. Am Hindukusch hat die Bundeswehr deswegen bereits Helikopter von zivilen Firmen gemietet, um Soldaten zu transportieren.  

Um den Auftrag bewarben sich Boeing mit dem CH-47 "Chinook" und Sikorsky mit dem Modell CH-53K. An dem Sikorsky-Angebot ist ein deutsches Industrieteam beteiligt, dem die Unternehmen Rheinmetall , MTU Aero Engines, Autoflug und Hydro Systems angehören. Der Boeing-Hubschrauber - an seiner charakteristischen Bananenform mit zwei Rotoren leicht zu erkennen - ist lange in Betrieb. Boeing hat erklärt, eng mit der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie zusammenzuarbeiten, und Wartung, Ausbildung und Technologielösungen und eigene Standorte in Deutschland genannt.

Von Insidern hieß es, die Angebote der beiden Anbieter Boeing und Sikorsky hätten am Ende fast hundert Prozent über dem vom Ministerium angepeilten Budget von rund vier Milliarden Euro gelegen, deswegen habe man die Reißleine ziehen müssen.

Das Scheitern der Vergabe ist ein schwerer Rückschlag für den in den vergangenen Jahren immer wieder reformierten Beschaffungsbereich für den Einkauf von Militärgerät für die Bundeswehr. Ausgerechnet der Transporthubschrauber sollte ein Modellprojekt für eine straffere Organisation solcher Projekte werden. Anders als früher sollte das Projekt nicht stets teurer als geplant und letztendlich mit jahrelanger Verzögerung realisiert werden.

asc/mgb/AFP/dpa
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