Erneut Schüsse in Burkina Faso Putschisten beschuldigen Frankreich, abgesetzten Präsidenten zu verstecken

Burkina Fasos abgesetzter Präsident Damiba ist untergetaucht. Seine Anhänger sollen eine Gegenoffensive gestartet haben. Und bei Protesten sind erneut vereinzelt russische Fahnen zu sehen.
Burkinischer Soldat mit Militärfahrzeug in Ouagadougou: Zweiter Putsch innerhalb von acht Monaten

Burkinischer Soldat mit Militärfahrzeug in Ouagadougou: Zweiter Putsch innerhalb von acht Monaten

Foto: OLYMPIA DE MAISMONT / AFP

In der Hauptstadt Burkina Fasos sind am Samstag, einen Tag nach dem Militärputsch, erneut Schüsse gefallen. Putschistenführer Ibrahim Traoré beschuldigte die Anhänger des abgesetzten Präsidenten, Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, in Ouagadougou eine Gegenoffensive gestartet zu haben.

Ein Vertreter der Junta sagte im staatlichen Fernsehen RTB, der abgesetzte Damiba habe auf einen französischen Militärstützpunkt Unterschlupf gefunden. Die französische Botschaft weist aber jegliche Beteiligung an den Geschehnissen zurück. Damiba befinde sich weder in der diplomatischen Vertretung noch auf einem französischen Militärstützpunkt, erklärte die Botschaft.

Später meldete sich auch Damiba selbst zu Wort. Er appelliere an die Putschisten, »zur Vernunft zu kommen, um einen Bruderkrieg zu vermeiden, den Burkina Faso nicht gebrauchen kann«, teilte er über die offizielle Facebook-Seite des Präsidialamts mit. Er wies Behauptungen der Putschisten zurück, er plane »eine Gegenoffensive« von einer französischen Militärbasis aus. Dabei handele es sich nur um den Versuch, »die öffentliche Meinung zu manipulieren«, so Damiba.

Proteste in Ouagadougou

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, Hunderte Unterstützer Traorés hätten sich aus Protest vor der französischen Botschaft versammelt. Am Abend sei dort ein Feuer ausgebrochen, Schüsse seien zu hören gewesen.

Der Deutschen Presse-Agentur zufolge ging eine kleine Gruppe von Menschen auch nahe des französischen Militärstützpunktes auf die Straße. Sie forderten die französischen Soldaten auf, das Land zu verlassen und versicherten ihre Unterstützung für Putschistenführer Traoré. Vereinzelt waren erneut auch russische Flaggen zu sehen. In sozialen Medien wurden Aufrufe zu einer Solidaritätsdemonstration für Traoré geteilt, die mit dem Untertitel »Gegen Damiba und Frankreich« versehen waren. Burkina Faso war einst eine französische Kolonie.

Russische Flagge bei einem Protest in Burkina Faso: »Moskau wird versuchen, ein antifranzösisches Sentiment auszunutzen«

Russische Flagge bei einem Protest in Burkina Faso: »Moskau wird versuchen, ein antifranzösisches Sentiment auszunutzen«

Foto:

OLYMPIA DE MAISMONT / AFP

USA verurteilen Sturz der Regierung

Acht Monate nach dem letzten Staatsstreich hatte ein Teil des Militärs um Hauptmann Ibrahim Traoré am Freitag erneut geputscht. Wo Damiba sich derzeit aufhält, ist unklar. Die neuen Machthaber werfen ihm vor, nicht mit »anderen Partnern« im Kampf gegen den Terrorismus kooperieren zu wollen. Offen ist, um wen es sich dabei handelte.

Der Generalstab der burkinischen Armee rief die verfeindeten Gruppen dazu auf, die Feindseligkeiten einzustellen und Gespräche fortzusetzen. Es handele sich um eine »interne Krise innerhalb der nationalen Streitkräfte«.

Die EU, die Afrikanische Union sowie die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bedauern den erneuten Staatsstreich und fordern, dass wie vorgesehen spätestens im Juli 2024 eine Rückkehr zur verfassungsgemäßen Ordnung erfolgen müsse. Die USA zeigen sich tief besorgt über die Ereignisse verurteilen den Sturz der Regierung.

Vorbild Mali?

»In Burkina Faso sind viele Menschen enttäuscht, dass Präsident Damiba nicht wie angekündigt die Sicherheitslage verbessert hat. Seit seiner Machtübernahme im Januar haben sich Dschihadisten weiter ausgebreitet«, hatte der Sahel-Experte und Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako, Ulf Laessing, noch kurz vor Bekanntgabe des Putsches gesagt. Außerdem gebe es eine Spaltung innerhalb der Streitkräfte und der Gesellschaft. »Es gibt eine Fraktion, die wie in Mali mit Russland zusammenarbeiten will. Moskau wird versuchen, ein antifranzösisches Sentiment auszunutzen.« Bei Demonstrationen in Ouagadougou waren am Freitag laut Augenzeugen auch russische Flaggen zu sehen gewesen.

Die politische und humanitäre Lage in dem Sahelstaat mit rund 21 Millionen Einwohnern ist seit Jahren instabil. Bewaffnete Gruppen, von denen einige der Terrorgruppe »Islamischer Staat« oder dem Terrornetzwerk al-Qaida angehören, sind dort sowie in den Nachbarstaaten Mali und Niger aktiv. Teile Burkina Fasos sollen bereits nicht mehr unter Kontrolle des Staates stehen. Zudem machen dem verarmten Land lang anhaltende Dürren und Hungerkrisen zu schaffen – trotz reicher Goldvorkommen.

ptz/dpa/AP/Reuters
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