Strategisch wichtiger Sahelstaat Junta von Burkina Faso wirft offenbar französische Truppen aus dem Land

Erst im Herbst putschte sich das Militär in Ouagadougou an die Macht. Nun stellen die vom Kreml protegierten Militärs einem TV-Bericht zufolge den bislang im Land verbliebenen französischen Soldaten ein Ultimatum.
Ein Demonstrant fordert die verbliebenen Franzosen auf, Burkina Faso zu verlassen – im Hintergrund ist eine russische Flagge zu sehen

Ein Demonstrant fordert die verbliebenen Franzosen auf, Burkina Faso zu verlassen – im Hintergrund ist eine russische Flagge zu sehen

Foto: VINCENT BADO / REUTERS

Die Militärregierung von Burkina Faso hat einem Medienbericht zufolge das französische Militär zum Abzug aus dem verarmten westafrikanischen Land aufgefordert. Der staatliche TV-Sender RTB zitierte am Samstag eine lokale Nachrichtenagentur mit der Erklärung, die Militärregierung habe am 18. Januar ein 2018 verabredetes Militärabkommen ausgesetzt, das die Präsenz französischer Truppen im Land erlaube. Frankreich habe nun einen Monat Zeit, seine Soldaten abzuziehen.

Bei der Regierung war zunächst keine Bestätigung für den Bericht erhältlich. Ein Sprecher der französischen Regierung war zunächst nicht erreichbar.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und seiner ehemaligen Kolonie haben sich seit einem Militärputsch im September 2022 verschlechtert. Am Freitag hatten hunderte Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou Anti-Frankreich-Parolen skandiert; Russland versucht seit Monaten, in dem Land Fuß zu fassen. Frankreich hat rund 400 Soldaten in dem Land stationiert, um örtliche Kräfte bei der Bekämpfung eines islamistischen Aufstands zu unterstützen, der sich in den letzten zehn Jahren von Mali aus über die Sahelzone ausgebreitet hat.

Ein Großteil von Burkina Faso ist seit 2018 unregierbar. Millionen Menschen sind aus Angst vor Überfällen bewaffneter Gruppen aus ihren Dörfern geflohen. Tausende wurden bei Angriffen getötet. Die Extremisten, die in die Orte oft auf Motorrädern einfallen, kontrollieren inzwischen große Landesteile im Norden und Osten. Als Folge ist die Bevölkerungszahl in den Städten angeschwollen, die nicht angegriffen wurden. Das verursacht neue Probleme etwa im Gesundheitswesen, zumal wegen der Dürre zahlreiche Menschen ohnehin unter Mangelernährung leiden.

Hinzukommt außerdem: Wegen der politischen Unsicherheit soll das Land künftig nicht mehr vom Handelsabkommen African Growth and Opportunity Act (AGOA) profitieren. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hatte zu Jahresbeginn erklärt, sie sei »zutiefst besorgt über den verfassungswidrigen Regierungswechsel« in Burkina Faso. Das Land werde »klare Vorgaben« für die Wiederaufnahme in das Handelsprogramm erhalten. AGOA gewährt afrikanischen Ländern zollfreien Zugang zu den USA.

dop/Reuters

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