Chabarowsk Tausende Russen demonstrieren gegen Putin

"Putins Bande muss vor Gericht": In der ostrussischen Stadt Chabarowsk haben Tausende Menschen erneut gegen die Inhaftierung ihres Ex-Gouverneurs protestiert - sie halten die Vorwürfe gegen den Politiker für konstruiert.
Seit Wochen protestieren Menschen im äußersten Osten Russlands gegen die Festnahme ihres Gouverneurs Furgal

Seit Wochen protestieren Menschen im äußersten Osten Russlands gegen die Festnahme ihres Gouverneurs Furgal

Foto: Igor Volkov / DPA

Aus Protest gegen die Festnahme des Ex-Gouverneurs Sergej Furgal sind im Osten Russlands wieder Tausende Menschen auf die Straßen gegangen. In der Großstadt Chabarowsk zogen am Samstag nach Berichten rund 8000 Menschen durch das Zentrum.

"Putins Bande muss vor Gericht" und "Putin hat unseren Gouverneur gestohlen" skandierten die Menschen, die mit Plakaten und Fahnen unterwegs waren. Die Proteste in der Stadt dauern seit fast zwei Monaten an und richten sich vor allem gegen den Einfluss Moskaus auf die lokale Politik. Die Behörden sprachen von weniger als tausend Teilnehmern.

Festnahme wegen angeblicher Auftragsmord-Beteiligung

Konkret geht es um Anschuldigungen gegen den ehemaligen Gouverneur von Chabarowsk. Gegen ihn wird wegen angeblicher Beteiligung an Auftragsmorden vor 15 Jahren ermittelt. Furgal streitet dies ab. Er betonte zuletzt, dass die Ermittlungen gegen ihn politisch motiviert seien. Furgal muss bis mindestens Dezember in Moskau in U-Haft bleiben.

Furgals Partei gilt als loyal zum Kreml

Furgal gehört der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski an. Er wurde vor knapp zwei Jahren gegen den Kreml-Kandidaten zum Gouverneur gewählt. Furgal ist kein scharfer Kremlgegner, sondern ein betont Putin-treuer Gouverneur, der zur parlamentarischen, also geduldeten Opposition gehört. Auch die LDPR gilt als loyal zum Kreml. Dennoch war die Wahlschlappe in Chabarowsk für die Kremlpartei Geeintes Russland eine Überraschung.

Die Einwohner waren so zufrieden mit ihrem Gouverneur, dass die LDPR 2019 auch noch die Wahlen zum Regionalparlament deutlich gewann. Doch am 9. Juli dieses Jahres beendete der Kreml Furgals Erfolgsgeschichte: Vor laufender Kamera wurde der Gouverneur festgenommen und nach Moskau in U-Haft gebracht. Der Vorwurf: Seine angebliche Beteiligung an Auftragsmorden vor rund 15 Jahren. Weil die Vorwürfe so lange zurückliegen, ist dies als Verhaftungsgrund für viele Chabarowsker unglaubwürdig.

Seit Furgals Festnahme im Juli gehen besonders an den Wochenenden Tausende auf die Straße. Mit bis zu 85.000 Teilnehmern waren es zeitweise in der Region die größten Proteste seit Jahrzehnten. Der Kreml lässt sie gewähren - vorerst.

caw/dpa

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