Ausschreitungen Mehr als hundert Festnahmen nach Plünderungen in Chicago

Nach einem Schusswechsel haben Menschen in der Innenstadt von Chicago randaliert und Geschäfte geplündert. Die Polizei nahm mehrere Dutzend von ihnen fest. Zwei wurden angeschossen.
Zerstörtes Geschäft in Chicago

Zerstörtes Geschäft in Chicago

Foto: KAMIL KRZACZYNSKI/ REUTERS

In der US-Millionenmetropole Chicago ist es zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. US-Medien berichten von mehreren Hundert Menschen, die in der Nacht zum Montag (Ortszeit) in einer bekannten Einkaufsgegend, der sogenannten Magnificent Mile, Schaufensterscheiben demolierten und Waren stahlen.

Auf Videos sind auch Auseinandersetzungen mit der Polizei zu sehen. Mehr als 100 Verdächtige seien festgenommen und zwei Menschen angeschossen worden, hieß es. 13 Polizisten seien verletzt worden. Rund 400 Beamte waren im Einsatz.

Auslöser war offenbar ein Schusswechsel zwischen einem Verdächtigen und der Polizei. Die Polizei war demnach wegen eines bewaffneten Mannes gerufen worden. Bei einer Verfolgungsjagd habe der 20-jährige Verdächtige das Feuer auf die Beamten eröffnet, sagte Polizeichef David Brown. Die Polizisten hätten das Feuer erwidert und den Mann verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

In der Folge habe es eine Menschenansammlung gegeben, die Lage habe sich aufgrund von Falschinformationen aufgeheizt, sagte der Polizeichef. In den sozialen Netzwerken sei zudem zu Plünderungen aufgerufen worden. Daraufhin kam es zu den Randalen in der Innenstadt der Millionenmetropole.

"Schlicht und ergreifend kriminelles Verhalten"

"Das war kein organisierter Protest", sagte Brown. "Das war ein Vorfall purer Kriminalität." Bürgermeisterin Lori Lightfoot nannte die Ereignisse "schlicht und ergreifend kriminelles Verhalten". Möglicherweise hätten über soziale Medien geteilte Falschinformationen zu einem angeblich von der Polizei erschossenen 15-Jährigen zu den Unruhen geführt.

Auch das Familiengeschäft dieser beiden Inhaber wurde zerstört

Auch das Familiengeschäft dieser beiden Inhaber wurde zerstört

Foto: Charles Rex Arbogast/ AP

Die Ausschreitungen treffen Chicago zu einer Zeit, in der die Straftaten in der Metropole im US-Bundesstaat Illinois, die ohnehin eine hohe Kriminalitätsrate hat, deutlich zugenommen haben.

2020 könnte die drittgrößte Stadt der USA die höchste Mordrate seit mehr als 20 Jahren erreichen. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind viele Menschen in ihrer Existenz bedroht. Dazu kommen die anhaltenden Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai, die auch dort viele Leute bewegen.

mfh/AFP/dpa
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