Zehnjahreszensus China beginnt aufwendige Volkszählung

Wie viele Menschen leben in China? Mit einer Volkszählung will das Land die Bevölkerung genau erfassen – und dürfte dabei auch die Folgen der gelockerten Einkindpolitik feststellen.
Zensus-Helfer befragen eine Frau in Lianyungang

Zensus-Helfer befragen eine Frau in Lianyungang

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STR / AFP

China erfasst alle zehn Jahre seine Bevölkerung. Dieses Wochenende hat das Nationale Statistikbüro die nächste Volkszählung im bevölkerungsreichsten Land der Erde begonnen.

Beim Zensus 2020 kommen neben rund sieben Millionen Verwaltungsmitarbeitern und Freiwilligen erstmals auch Apps zum Einsatz. Es dauert einige Wochen, die Daten zu erheben, die Auswertung dann bis zu zwei weitere Jahre. Erfasst werden unter anderem Namen, ID-Nummern, Geschlecht, Familienstand oder Angaben über Bildungsstand und Beruf.

Die Behörden wollen auf diese Weise neben dem Bevölkerungswachstum auch Bewegungsmuster und andere Trends ermitteln. Bei der bislang jüngsten Volkszählung 2010 wurden rund 1,34 Milliarden Chinesen registriert. Die Regierung geht davon aus, dass die Bevölkerung inzwischen auf 1,42 Milliarden Menschen angewachsen ist. Falls die Gesamtzahl an Einwohnern dagegen schrumpfen sollte, könnte Indien China schon früher als erwartet als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen.

Ende der Einkindpolitik – Geburtenrate bleibt niedrig

Mit Spannung werden die Auswirkungen der Lockerung der Einkindpolitik erwartet. China verfolgte diese Politik jahrzehntelang, um das Bevölkerungswachstum einzudämmen. 2016 lockerte die Regierung aus Sorge vor einer stark alternden Bevölkerung die Regelung. Seither dürfen chinesische Paare auch (maximal) zwei Kinder haben.

Vorangegangen war ebenfalls ein Zensus. In der Erhebung 2010 hatten die Behörden dem Sender CNN  zufolge etwa festgestellt, dass der Anteil der Menschen unter 14 Jahren in dem Land im Vergleich zur vorangegangenen Volkszählung um 6,2 Prozent gesunken war.

Kritikern zufolge kam die daraufhin beschlossene Änderung allerdings zu spät - und ging nicht weit genug. Es drohen eine Überalterung der Gesellschaft und Arbeitskräftemangel. Hinzu kommt: Viele Chinesen entscheiden sich angesichts steigender Lebenshaltungskosten für kleinere Familien. Entsprechend wurde 2019 die niedrigste Geburtenrate seit 1949 registriert. Im vergangenen Jahr waren laut CNN mehr als 250 Millionen Chinesen 60 Jahre oder älter.

apr/AFP
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