Sinkende Fruchtbarkeitsrate, immer mehr Alte Chinas Behörden rechnen mit Bevölkerungsschwund bis 2025

Auch das Ende der »Ein-Kind-Politik« im Jahr 2016 brachte keinen Geburtenboom: Die chinesische Gesundheitskommission stellt sich auf eine schrumpfende Bevölkerung ein – und übt überraschend deutliche Kritik.
Eine ältere Frau mit einem Kleinkind im chinesischen Schanghai

Eine ältere Frau mit einem Kleinkind im chinesischen Schanghai

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

»Unsere Politik im Bereich der Geburtenförderung ist mangelhaft«: Chinas Nationale Gesundheitskommission hat Kritik an der demografischen Politik des Landes geübt und vor einem Schwund der Bevölkerungszahl gewarnt.

Die Wachstumsrate der Bevölkerung habe sich erheblich verlangsamt, teilte die Behörde mit. Sie geht demnach davon aus, dass die Bevölkerungszahl im von 2021 bis 2025 laufenden Fünfjahresplan rückläufig sein wird. Grund ist sowohl eine geringe Geburtenrate als auch ein wachsender Anteil älterer Menschen in der Gesamtbevölkerung.

Die Fruchtbarkeitsrate ist in den vergangenen Jahren auf unter 1,3 gesunken. Um das Jahr 2035 dürften in China mehr als 30 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein. 2021 erreichte die Geburtenrate einen Tiefstand, offiziellen Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr 10,62 Millionen Kinder geboren – das ist der niedrigste Stand seit mindestens 1978.

China hatte seine Politik der Geburtenbeschränkung in den vergangenen Jahren gelockert und die »Ein-Kind-Politik« beendet. So ist es Paaren seit 2016 erlaubt, zwei Kinder zu bekommen, seit dem vergangenen Jahr sind es drei Kinder. Trotz dieser Entscheidungen blieb ein Geburtenboom aus.

Steigende Lebenshaltungskosten machen Familienplanung unattraktiv

Paare haben mit steigenden Lebenshaltungskosten, Wohnkosten und vor allem den Kosten für die Kindererziehung zu kämpfen. Fachleute vermuten aber auch einen kulturellen Wandel in der Bevölkerung – die Menschen hätten sich an kleinere Familien gewöhnt.

Zum Gegensteuern empfiehlt die Gesundheitskommission, den finanziellen Druck auf Paare durch Maßnahmen in den Bereichen Wohnungsbau, Bildung und Steuern zu verringern. Die Großstadt Hangzhou im Osten des Landes teilte am Montag mit, Familien mit drei Kindern Kredite mit höheren Beträgen für den Kauf einer ersten Wohnung anbieten zu wollen. Andere Städte wie Nanchang und Changsha haben staatlichen Medien zufolge ebenfalls unterstützende Maßnahmen ergriffen.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden im November 2022 acht Milliarden Menschen auf der Welt leben. Indien könnte China bereits im kommenden Jahr als bevölkerungsreichstes Land ablösen. In China lebten nach Angaben aus dem Jahr 2020 1,412 Milliarden Menschen, in Indien sind es nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds derzeit rund 1,4 Milliarden.

fek/AFP
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