Sicherheitszone verletzt China dringt mit 38 Kampffliegern in von Taiwan beanspruchte Luftsicherheitszone ein

Gleich 38 chinesische Kampfflugzeuge sind seit Freitag in den Verteidigungsluftraum von Taiwan eingedrungen. Die Regierung in Taipeh protestiert scharf und aktiviert die Raketenabwehr.
Suchoi SU-30, hier auf einer Flugshow: In Chinas Luftwaffe fliegen russische Jets, Taiwan kauft in den USA ein

Suchoi SU-30, hier auf einer Flugshow: In Chinas Luftwaffe fliegen russische Jets, Taiwan kauft in den USA ein

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

Die Regierung in Taipeh hat China eine bisher beispiellose Verletzung der taiwanischen Sicherheitszone im Luftraum um Taiwan vorgeworfen. Insgesamt 38 Kampfflieger aus chinesischer und russischer Fertigung seien in zwei Wellen, am Freitag und in der Nacht zum Samstag, in den Verteidigungsluftraum von Taiwan eingedrungen, teilte das taiwanische Verteidigungsministerium mit.

In beiden Fällen befanden sich unter den chinesischen Maschinen jeweils zwei atomwaffenfähige Bomber des Typs Xian H-6. Taiwan habe eigene Kampfflieger entsandt, um die chinesischen Maschinen auf Abstand zu halten und habe seine Raketenverteidigungsanlagen in Alarmzustand versetzt. Der taiwanische Regierungschef Su Tseng-Chang bezeichnete die Luftraumverletzung als »kriegerisches Verhalten« Chinas, das dem Frieden in der Region schade.

China hatte am Freitag zum chinesischen Nationalfeiertag eine große Machtdemonstration seiner Luftwaffe abgehalten. Dass chinesische Flugzeuge in den sogenannten taiwanischen Verteidigungsluftraum (Adiz: »Air Defense Identification Zone«) eindringen, passiert beinahe täglich, seit Xi Jinping in China regiert: Seine Regierung erkennt weder Taiwan noch dessen Adiz an.

Was ist ein »Adiz«?

Die Zone umfasst nicht nur den eigentlichen Luftraum über der Insel Taiwan, sondern auch Teile der chinesischen Luftüberwachungsgebiete und sogar Teile von Festland-China. Man kann sie als eine Art Pufferzone verstehen, in der einfliegende Militärmaschinen gehalten sind, sich zu identifizieren, und ihre Koordinaten fortlaufend zu melden.

Eine Adiz ist also nicht gleichbedeutend mit dem landeseigenen Luftraum, sondern dient im Idealfall der Entschärfung möglicher Konflikte durch Missverständnisse. Das funktioniert aber nur, wenn alle Seiten diese Adiz auch anerkennen, was im Falle der Zone um Taiwan jedoch nicht der Fall ist. Massenhafte Militärflüge Chinas im taiwanischen Adiz waren bislang dennoch selten.

Peking tritt in der Region jedoch immer aggressiver auf. Die bisher massivste Verletzung des taiwanischen Adiz wurde im Sommer durch 28 chinesische Maschinen verzeichnet. Vergangene Woche waren 24 chinesische Militärflugzeuge in Taiwans Verteidigungsluftraum eingedrungen, nachdem Taiwan sich um den Beitritt zu einem großen Handelsabkommen im Pazifikraum bemüht hatte.

Unter den Kampfflugzeugen, die nun in die Adiz-Zone eindrangen, waren auch atomwaffenfähige Bomber des Typs H-6 sowie Maschinen, die zur Jagd auf Unterseeboote eingesetzt werden. Sie passierten Taiwan und nahmen Kurs auf die sogenannte Bashistraße, auf die neben Taiwan und China auch die Philippinen Ansprüche erheben. Die Philippinen gelten als strategischer Bündnispartner der USA.

Gedroht wird auch in anderer Richtung

Am Montag hatte sich China empört gezeigt über die Fahrt eines britischen Kampfschiffs durch die Meerenge, die Taiwan vom Festland trennt. Peking beansprucht die Meerenge als seine eigene Wasserstraße, ebenso wie den größten Teil des Südchinesischen Meeres, das für die anderen Länder der Region ebenso wichtig ist. Die Region gilt Experten seit Langem als extrem konfliktgefährdet: An keinem anderen Punkt der Welt treffen die Machtinteressen von China und den USA so unmittelbar aufeinander.

Das schließt Taiwan ein, dessen Existenz nicht zuletzt durch die Unterstützung des Westens gesichert wird. Taiwan wird von China als Teil der Volksrepublik beansprucht. Taipeh hatte sich 1949 am Ende eines Bürgerkriegs von China losgesagt. Peking betrachtet die demokratisch regierte Insel jedoch bis heute als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll. Präsident Xi ist für seinen Ausspruch bekannt, Taiwans Anschluss an die Volksrepublik sei »unausweichlich«.

Vertreter des US-Militärs sprechen mittlerweile offen von der Möglichkeit, dass China seine Drohungen gegen Taiwan in die Tat umsetzen könnte. Der Schutz der Insel ist eines der wenigen Themen, bei denen in Washington parteiübergreifend Einigkeit herrscht. Eine wachsende Zahl westlicher Staaten hat sich zudem den US-Militärübungen zur »Freiheit der Schifffahrt« angeschlossen, um Chinas Ansprüchen auf das Südchinesische Meer und die Straße von Taiwan zu begegnen.

Update: Die Nachrichtenagentur meldete am frühen Samstagnachmittag das Eindringen weiterer 20 chinesischer Flieger in den Adiz um Taiwan.

Redaktionelle Anmerkung: In der Überschrift zu diesem Beitrag hieß es ursprünglich, China sei in Taiwans »Luftraum« eingedrungen. Wie im Beitrag selbst zutreffend dargestellt, ging es konkret jedoch nur um ein Eindringen in die von Taiwan beanspruchte Luftsicherheitszone. Wir haben dies nun auch in der Überschrift entsprechend klargestellt.

pat/AP/Reuters
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