Proteste in Shanghai Großbritannien bestellt wegen Reporterfestnahme chinesischen Botschafter ein

Es sind die größten Proteste seit Jahrzehnten, die Staatsmacht reagiert hart: Chinesische Polizisten haben am Wochenende in Shanghai auch einen britischen Journalisten festgenommen. Nun reagiert London diplomatisch.
Festnahme eines Demonstranten in Shanghai

Festnahme eines Demonstranten in Shanghai

Foto: AP / dpa

Die Festnahme eines BBC-Reporters am Rande regierungskritischer Proteste in Shanghai verschärft die diplomatischen Spannungen zwischen China und Großbritannien. Das Außenministerium in London hat den chinesischen Botschafter einbestellt. »Wir haben deutlich gemacht, dass dieses Verhalten der chinesischen Behörden völlig inakzeptabel ist«, zitierte die Nachrichtenagentur PA Regierungskreise in London.

Der Kameramann wurde der BBC zufolge auch von Polizisten geschlagen, als er eine Demonstration filmte. Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums hatte die Festnahme damit begründet, dass der Reporter sich nicht als Journalist zu erkennen gegeben und seinen Presseausweis nicht freiwillig vorgezeigt habe.

In der Volksrepublik hatten Wut und Frust über die Null-Covid-Politik der Regierung am Wochenende zu den größten Kundgebungen seit Jahrzehnten  geführt. Aus Protest gegen die rigorosen Maßnahmen – wiederholte Lockdowns, Zwangsquarantäne, Massentests und ständige Kontrolle über Corona-Apps – waren in mehreren Städten der Volksrepublik Tausende Menschen auf die Straßen gegangen.

In der Hauptstadt Peking wurde dabei »Hebt den Lockdown auf« und »Wir wollen keine PCR-Tests, wir wollen Freiheit« gerufen. Es waren die größten Proteste in China seit der Demokratiebewegung, die das Militär 1989 blutig niedergeschlagen hatte.

»Schaut nicht weg, vergesst nicht«: Proteste in Hongkong

Die Staatsmacht reagierte zuletzt mit erhöhter Polizeipräsenz. Das strikte Vorgehen gegen die Proteste wegen der Coronaauflagen hat im Westen Besorgnis ausgelöst. Die Uno rief Peking am Montag auf, Teilnehmer friedlicher Proteste nicht willkürlich festzunehmen. Die chinesischen Behörden reagieren auf die Protestwelle in mehreren Städten mit starker Polizeipräsenz und Onlinezensur.

Andernorts gab es Kundgebungen. In der Sonderverwaltungszone Hongkong, wo 2019 Massenproteste gegen die Peking-nahe Regierung stattgefunden hatten, versammelten sich Dutzende Menschen an der Chinesischen Universität. »Schaut nicht weg, vergesst nicht«, skandierten die Demonstranten.

In Hangzhou, rund 170 Kilometer südwestlich von Shanghai, gab es trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen sporadische Proteste im Stadtzentrum, dabei wurden zehn Menschen festgenommen, wie ein Teilnehmer berichtete.

asa/dpa
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