DER SPIEGEL

Nach Unwetter in chinesischer Millionenstadt Mit dem Bulldozer-Taxi durchs Hochwasser

Im chinesischen Zhengzhou setzen Rettungskräfte Bulldozer ein, um die Menschen aus den Wassermassen zu bergen. Besonders betroffen sind hier die Wanderarbeiter.

Rettungsfahrt im Baggerlöffel – in der chinesischen Zwölfmillionen-Metropole Zhengzhou setzen Rettungskräfte neben Schlauchbooten und improvisierten Flößen auch Bulldozer ein, um die vom Wasser eingeschlossenen Menschen zu bergen und in trockene Gebiete zu transportieren. Ihr großer Vorteil: Sie kommen auch durch tiefes Wasser sicher hindurch.

Liu Ki, Baufirmenmanager: »Er sagte gerade, dass ein paar Personen in einer abgelegenen Ecke der Stadt feststecken. Wir müssen sie da rausholen. Viele Menschen können nicht mehr mit der Außenwelt kommunizieren. Deswegen setzen wir ehrenamtlich Bagger von unseren Baustellen ein, um die Menschen zu transportieren. Es gibt hier viele schwangere Frauen, Kinder und Kranke. Wir benutzen unseren Bulldozer, um sie in Sicherheit zu bringen.«

Besonders betroffen sind Wanderarbeiter aus der Provinz. Manche von ihnen sind gezwungen, ohne Strom und fließendes Wasser in überfluteten Stadtteilen zu bleiben. Wegen der unterbrochenen Verkehrsinfrastruktur können sie weder zur Arbeit noch zu ihren Familien auf dem Land zurück. In China verdienen etwa 280 Millionen Wanderarbeiter ihren Lebensunterhalt in Großstädten.

Zhu Lingyan, Restaurantbetreiberin: »Ich hatte gehofft, der Regen wäre nicht so stark geworden. Wenn das Abflusssystem in Zhendzhou nicht so schlecht wäre, würde sich nicht so viel Wasser sammeln. Selbst wenn wir nur Schäden von ein paar Tausend Dollar haben, können wir es vergessen. Wir haben zum ersten Mal ein Geschäft eröffnet, und gleich war der Verlust so groß. Nur eine Person aus unserer Familie arbeitet. Wir haben unser gesamtes Geld in dieses Restaurant investiert.«

Nach der Unwetterkatastrophe am Dienstag fließen die Wassermassen in der zentralchinesischen Metropole langsam ab. Ein wichtiger Verkehrstunnel wurde leergepumpt. Die Zahl der Toten ist auf mehr als 50 gestiegen, einige Menschen werden noch vermisst. Hunderttausende mussten in Sicherheit gebracht werden. In den vergangenen Tagen war in der Region Henan so viel Regen gefallen wie sonst in einem Jahr. Und das chinesische Wetteramt warnt vor weiteren Überschwemmungen in der Provinz.

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