»Extrem alarmierend« Uno sieht Hinweise auf Organraub bei chinesischen Häftlingen

Herzen, Nieren, Lebern und Augenhornhäute seien offenbar besonders begehrt: Uno-Experten berichten über »glaubwürdige Informationen«, wonach chinesischen Häftlingen gegen ihren Willen Organe entnommen werden.
Chinesische Flaggen vor einer Einrichtung, die offenbar als Umer­zie­hungslager für Uiguren fungiert (Archivbild)

Chinesische Flaggen vor einer Einrichtung, die offenbar als Umer­zie­hungslager für Uiguren fungiert (Archivbild)

Foto: Greg Baker / AFP

Die Vorwürfe seien »extrem alarmierend«, heißt es von den Uno-Sonderberichterstattern sowie von der Uno-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Inhaftierungen: In China gibt es den Experten zufolge Hinweise auf Organraub an Häftlingen, die einer Minderheit angehören. Sie hätten diesbezüglich »glaubwürdige Informationen« erhalten, teilten die zwölf unabhängigen Uno-Experten mit.

»Die erzwungene Organentnahme in China scheint auf Angehörige bestimmter ethnischer, sprachlicher oder religiöser Minderheiten abzuzielen, die an verschiedenen Orten inhaftiert sind – oft, ohne dass ihnen die Gründe für die Verhaftung erläutert werden oder Haftbefehle vorliegen.« Laut den Uno-Experten werden die Häftlinge offenbar zu Bluttests und Ultraschall- sowie Röntgenaufnahmen gezwungen. Die Untersuchungsergebnisse würden dann in einer Transplantationsdatenbank registriert.

Herzen, Nieren, Lebern und Augenhornhäute seien offenbar die am häufigsten entnommenen Organe. Betroffen seien den Berichten zufolge neben Mitgliedern der verbotenen spirituellen Bewegung Falun Gong auch Uiguren, Tibeter, Muslime und Christen.

Peking weist die Vorwürfe zurück

Ein Sprecher der chinesischen Vertretung in Genf warf den Uno-Experten vor, China zu »verleumden«. Peking »wehrt sich entschieden gegen diese Anschuldigungen und weist sie kategorisch zurück«, erklärte er. Den Uno-Experten mangele es an »rudimentärem Denk- und Urteilsvermögen«. Sie seien auf die »Desinformation antichinesischer separatistischer Kräfte« und der Falun-Gong-Bewegung hereingefallen.

China sieht sich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, Häftlingen zwangsweise Organe zu entnehmen. Peking hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Nach Angaben der Uno-Experten kritisierten die Vereinten Nationen bereits 2006 und 2007 gegenüber der chinesischen Regierung den mutmaßlichen Organraub. Peking habe damals jedoch keine ausreichenden Daten über die Herkunft von Transplantationsorganen geliefert.

aar/AFP
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