Möglicher Strategiewechsel in Peking Chinas Vizepremierministerin sieht »neues Stadium« der Pandemie erreicht

Chinas Führung war für ihre strikte Null-Covid-Politik zuletzt immer stärker unter Druck geraten, nun deutet sich ein Kurswechsel an. In einigen Städten wurden offenbar bereits Maßnahmen aufgehoben.
Chinesische Seuchenbekämpfer an einer Corona-Teststation (Foto vom 28. November)

Chinesische Seuchenbekämpfer an einer Corona-Teststation (Foto vom 28. November)

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Thomas Peter / REUTERS

Landesweit hatten in China zuletzt Tausende gegen die restriktive Null-Covid-Politik ihrer Regierung protestiert. Nun macht die Führung des Landes womöglich leichte Zugeständnisse.

Chinas Vizepremierministerin Sun Chunlan sagte am Mittwoch nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, man sei in einem »neuen Stadium der Pandemie«. »Da die Omikron-Variante weniger pathogen geworden ist, mehr Menschen geimpft werden und wir mehr Erfahrungen in der Covid-Prävention gesammelt haben, befindet sich unser Kampf gegen die Pandemie in einem neuen Stadium und bringt neue Aufgaben mit sich«, sagte Sun demnach bei einem Treffen der Nationalen Gesundheitskommission.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge kündigte Sun zudem einen »menschlichen Ansatz« bei der Pandemiebekämpfung an. Direkten Bezug auf die von Staatschef Xi Jinping verfolgte Null-Covid-Politik nahm Sun nicht.

Die rigorosen Maßnahmen hatten zuletzt zu den größten öffentlichen Protesten in China seit Jahrzehnten geführt. Als Reaktion auf die Versammlungen wurde eine massive Polizeipräsenz auf den Straßen von Peking, Shanghai und anderen Städten mobilisiert, um ein Wiederaufflammen der Demonstrationen zu verhindern.

Schon vor dem Ausbruch der Proteste hatten die Behörden eine Anpassung der Coronamaßnahmen beschlossen. Da die Infektionszahlen jedoch zuletzt stark anstiegen, verhängten viele Städte zusätzlich Maßnahmen. Die Gesundheitskommission forderte die lokalen Behörden auf, sich strikt an die Vorgaben zu halten.

Lockerungen in Millionenstädten

Laut Reuters wurden in einigen Städten bereits Lockerungen umgesetzt. In der Provinzhauptstadt Guangzhou, wo es zuletzt Proteste gegeben hatte, dürfen sich Kontaktpersonen von Coronainfizierten demnach neuerdings zu Hause isolieren. Dies gilt den lokalen Behörden zufolge auch für andere Städte in der Provinz Guangdong. In der Stadt Ordos im Norden des Landes wurden Coronatests laut Reuters vorerst ausgesetzt – offiziell wegen des extrem kalten Wetters.

Laut dem britischen »Guardian«  wurden auch in der Millionenstadt Zhengzhou Coronamaßnahmen gelockert. Dort hatte es zuletzt massive Proteste von Angestellten einer Fabrik gegeben, die dem US-Konzern Apple zuliefert.

Regierung setzt auf Impfkampagne

Am Dienstag kündigte die Kommission zudem an, die Impfkampagne stärker vorantreiben zu wollen – besonders in der älteren Bevölkerung. Aus Angst vor Nebenwirkungen wurden Ältere in dem 1,4-Milliarden-Einwohner-Land bislang weniger geimpft. Nur 40 Prozent der Menschen über 80 Jahren haben eine Boosterspritze bekommen.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen ging derweil den dritten Tag in Folge leicht zurück. Wie die Gesundheitskommission am Donnerstag berichtete, wurden am Vortag rund 35.800 neue Fälle gemeldet. Am Dienstag waren es rund 37.600 Ansteckungen gewesen. Erst kürzlich hatten die Zahlen mit mehr als 40.000 Neuinfektionen pro Tag einen Höchststand seit Beginn der Pandemie vor knapp drei Jahren erreicht.

fek/dpa/Reuters
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