Winterspiele in Peking 2022 China droht Boykott-Ländern

Mehrere Länder haben sich den USA angeschlossen und wollen keine Regierungsvertreter zur Olympiade nach Peking schicken. Die Kommunistische Partei reagiert wütend.
China richtet vom 4. bis zum 20. Februar die Olympischen Winterspiele aus

China richtet vom 4. bis zum 20. Februar die Olympischen Winterspiele aus

Foto: Mark Schiefelbein / dpa

Nach den USA haben drei weitere Staaten angekündigt, die Olympischen Winterspiele in Peking diplomatisch zu boykottieren und keine Regierungsvertreter entsenden: Australien, Kanada und Großbritannien. Auch Neuseeland wird keine Diplomaten nach China schicken, begründet die Entscheidung aber mit der Coronapandemie.

China reagierte am Donnerstag hart auf den Boykott. Außenamtssprecher Wang Wenbin sagte am Donnerstag in Peking, die vier Länder »werden einen Preis für ihr Fehlverhalten zahlen«. Dass sie die olympische Plattform für politische Manipulationen benutzten, sei »unpopulär«. Auch isolierten sie sich damit selbst.

Frankreich schließt sich dem diplomatischen Boykott nicht an

Am Vortag hatten erst Australien und dann auch Großbritannien sowie Kanada erklärt, wie die USA keine offiziellen Vertreter zu Feiern am Rande der Spiele nach Peking entsenden zu wollen. Ihre Sportler werden aber an den Spielen vom 4. bis 20. Februar 2022 teilnehmen.

Frankreich schließt sich dem diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking nicht an. Das sagte Bildungs- und Sportminister Jean-Michel Blanquer am Donnerstag im Interview des Senders BFMTV. »Der Sport ist eine Welt für sich und muss so weit es geht vor politischen Einflüssen geschützt werden«, sagte Blanquer. Ansonsten würde dies am Ende sämtliche Wettkämpfe unmöglich machen. Wie Blanquer erklärte, werde er nicht selbst nach Peking fahren, sondern die beigeordnete Sportministerin Roxana Maracineanu.

Frankreich habe eine klare Position und habe die Verfolgung von Minderheiten wie den Uiguren und Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Außerdem habe er seine Besorgnis über das Schicksal der Tennisspielerin Peng Shuai zum Ausdruck gebracht, sagte der Minister. Peng Shuai war nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen einen Parteifunktionär unter Druck gesetzt worden.

Die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) will über einen möglichen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in China gemeinsam mit der Bundesregierung und den europäischen Partnern entscheiden. »Wenn eine Frau solche Vorwürfe erhebt, dann muss das auch im internationalen Kontext Gehör finden«, sagte Baerbock am Donnerstag in Paris in Bezug auf Peng Shuai.

Baerbock will gemeinsame europäische Antwort

Darauf müsse eine gemeinsame Antwort gefunden werden, sagte Baerbock, die zu ihrem ersten Auslandsbesuch nach Frankreich gereist war. Die Außenministerin traf am Donnerstagmorgen mit ihrem französischen Kollegen Yves Le Drian zusammen.

China steht wegen Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong oder den Drohungen gegen Taiwan in der Kritik.

»Ich möchte hervorheben, dass China keines der betreffenden Länder eingeladen hat«, sagte der chinesische Außenamtssprecher ferner. Egal, ob die Offiziellen kommen oder nicht, es werde erfolgreiche Spiele in Peking zu sehen geben. »Sport hat nichts mit Politik zu tun.« Die große Mehrheit der internationalen Gemeinschaft unterstütze die Winterspiele in Peking, sagte Wang Wenbin.

muk/dpa