Bericht zu Chinas Hyperschallwaffe »Wir wissen nicht, wie wir uns dagegen verteidigen können«

China hat einem Medienbericht zufolge eine Hyperschallrakete getestet. Peking dementiert und spricht von »Routine«. Doch die USA sind besorgt: Die Technologie fördere das Wettrüsten der Nationen.
Trägerrakete des Typs »Long March« (hier bemannte Raumfahrt, Archivbild)

Trägerrakete des Typs »Long March« (hier bemannte Raumfahrt, Archivbild)

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Kyodo News

Nach einem Medienbericht über den kürzlichen Test einer Hyperschallrakete haben sich die USA beunruhigt über die technischen Fortschritte Pekings auf diesem Gebiet gezeigt. »Wir sind sehr besorgt über die Aktivitäten Chinas im Bereich der Hyperschallraketen«, sagte der Ständige Vertreter der USA für Abrüstungsfragen in Genf, Robert Wood, am Montag. China hatte zuvor dem Bericht der »Financial Times« widersprochen, wonach die Regierung im August einen atomwaffenfähigen Hochgeschwindigkeitsgleitkörper ins All geschickt haben soll.

Da Russland ebenfalls über Hyperschalltechnologie verfüge, bleibe nun keine andere Wahl, als entsprechend zu reagieren, sagte Wood. Bislang habe sich Washington mit der Entwicklung seiner militärischen Kapazitäten in dem Gebiet zurückgehalten, fügte er hinzu.

Robert Wood, Ständiger Vertreter der USA für Abrüstungsfragen in Genf

Robert Wood, Ständiger Vertreter der USA für Abrüstungsfragen in Genf

Foto: DENIS BALIBOUSE / REUTERS

Die Vereinigten Staaten arbeiten bereits an der Erweiterung ihres Arsenals um Hyperschallraketen und meldeten kürzlich einen erfolgreichen Test einer sogenannten Hawc-Rakete, die teilweise mithilfe von Sauerstoff aus der Atmosphäre angetrieben wird.

»Wir wissen nicht, wie wir uns gegen diese Technologie verteidigen können, und China und Russland wissen das auch nicht«, sagte Wood weiter über die Hyperschallraketen. Die Technologie fördere das Wettrüsten der Nationen.

Peking spricht von »Routine«

Die britische Zeitung »Financial Times« hatte am Samstag unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass China vor zwei Monaten einen Hochgeschwindigkeitsgleitkörper mit einer Rakete des Typs »Langer Marsch« (»Long March«) ins All geschickt habe. Im Weltraum habe das atomwaffenfähige Geschoss die Erde in einer niedrigen Umlaufbahn umkreist, bevor es sein Ziel knapp verfehlt habe. Der Test sei unter strenger Geheimhaltung erfolgt.

Peking erklärte am Montag, es habe sich um einen Routine-Test für »wiederverwendbare Raumfahrttechnik« gehandelt. Auf die Frage, ob der Bericht unzutreffend sei, antwortete Außenamtssprecher Zhao Lijian vor Journalisten mit »Ja«. Es habe sich um eine Raumfahrttechnologie gehandelt, die eine »bequeme und billige Möglichkeit« für die Menschen sein könnte, »den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen«. »Es war ein Raumschiff, keine Rakete«, sagte Lijian.

Auch Nordkorea arbeitet an Hyperschallwaffen

Laut »Financial Times« hatten sich US-Geheimdienste von den neuen militärischen Fähigkeiten Chinas überrascht gezeigt. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, erklärte: »Wir haben unsere Besorgnis über die militärischen Fähigkeiten Chinas deutlich gemacht, die die Spannungen in der Region und darüber hinaus nur noch verstärken«.

China hat bereits 2019 eine Hyperschall-Mittelstreckenrakete, die DF-17, vorgestellt. Diese hat eine Reichweite von rund 2000 Kilometern und kann nukleare Sprengköpfe tragen. Bei der in dem Zeitungsartikel erwähnten Rakete handelt es sich demnach jedoch um ein anderes Modell mit einer größeren Reichweite.

Neben China und den USA arbeiten auch Russland, Nordkorea und mindestens vier weitere Länder an der Hyperschalltechnologie. Wie ballistische Raketen können diese Atomwaffen tragen und mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen. Während ballistische Raketen jedoch in einem hohen Bogen durch den Weltraum fliegen, bleiben Hyperschallraketen in einer niedrigen Umlaufbahn. Sie sind zudem ferngesteuert, was einen Abschuss deutlich erschwert.

lau/AFP
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