Hoher Repräsentant für Bosnien Spitzendiplomat Schmidt findet seinen Wutausbruch genau richtig

Auf einer Pressekonferenz in Bosnien-Herzegowina irritierte Christian Schmidt mit einer Brüllattacke. Für seinen Wutausbruch habe er »überwältigenden Zuspruch von Bürgerinnen und Bürgern« bekommen, behauptet er nun.
Christian Schmidt

Christian Schmidt

Foto: Armin Durgut / Pixsell / IMAGO

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat in seiner aktuellen Funktion als Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina mit einem Wutausbruch bei einer Pressekonferenz für Aufsehen gesorgt:

DER SPIEGEL

Schmidt, der seit Mai 2021 in Sarajevo tätig ist, rechtfertigt sich nun gegenüber dem SPIEGEL für seinen irritierenden Auftritt. »Mir ist in der Tat der Kragen geplatzt, weil ich mich doch schon sehr wundere, dass es von vielen in der Politik hingenommen wird, dass etwa in der Föderation von Bosnien-Herzegowina seit vier Jahren keine Regierung ernannt worden ist, und manche das so einfach hinnehmen«, sagte Schmidt. »Dies habe ich zu kritisieren, gestern habe ich das überdeutlich gemacht.«

Er freue sich sehr über den »überwältigenden Zuspruch, den ich von Bürgerinnen und Bürgern außerhalb der Politik in Bosnien erhalte«, sagte Schmidt weiter.

Bei einem Besuch in der Kleinstadt Gorazde war der 64-Jährige am Mittwoch in englischer Sprache ausgerastet: »Rubbish, full rubbish. I am rid of this.« (in etwa: »Unsinn, völliger Unsinn. Ich habe genug davon.«) Schmidt fuhr fort: »Ich habe diese Situation satt. Jeder gibt jedem die Schuld. Freunde, so kommt man nicht nach Europa!«

Schmidt reagierte mit seinem Wutausbruch auf die Frage einer Journalistin, ob er bereit sei, Änderungen des Wahlgesetzes durchzusetzen, obwohl es keinen politischen Konsens gebe. Der CSU-Politiker sagte dazu in undiplomatischem Ton: »Die Leute hier verdienen es, dass die Politiker, die sie gewählt haben, arbeiten und sich nicht nur beschweren! Das ist das Kernproblem.«

Er »hoffe, die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik endlich wachgerüttelt zu haben«, sagte Schmidt. »Hier wird ein Stück Zukunft eines Landes im Herzen Europas verspielt, wenn das so weitergeht.«

Anfang Oktober findet in Bosnien-Herzegowina die nächste Parlamentswahl statt. Der langjährige CSU-Bundestagsabgeordnete ist seit gut einem Jahr internationaler Repräsentant in der Hauptstadt Sarajevo. Zu seinen Aufgaben gehört die Umsetzung des Dayton-Abkommens von 1995, das den Krieg beendet hatte, durch den sich Bosnien-Herzegowina vom damaligen Jugoslawien abgespalten hatte.

als/kor/dpa
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