US-Geheimdienst CIA soll Bericht zufolge Ermordung von Assange erwogen haben

Seit 2012 befindet sich Julian Assange auf der Flucht vor amerikanischen Behörden. Laut einer Recherche von »Yahoo News« sollen CIA-Beamte 2017 überlegt haben, den WikiLeaks-Gründer aus dem Exil zu entführen und zu ermorden.
Julian Assange bei einem Gerichtsprozess in London 2020

Julian Assange bei einem Gerichtsprozess in London 2020

Foto: Simon Dawson / REUTERS

Der US-Geheimdienst CIA soll erwogen haben, WikiLeaks-Gründer Julian Assange aus der ecuadorianischen Botschaft in London zu entführen und zu ermorden. Das berichtet die Nachrichtenseite »Yahoo News«  unter Berufung auf Geheimdienstquellen. Es habe jedoch Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit einer Ermordung gegeben.

Die Diskussion habe zu einer Zeit stattgefunden, als WikiLeaks mit »Vault 7« Informationen über die Hackertätigkeiten der CIA veröffentlicht hatte. Die internen Dokumente aus dem Fundus der CIA legten nahe, dass der US-Geheimdienst schon seit Längerem dabei ist, dem Abhördienst NSA nachzueifern, und dass er eigene Spionage-Werkzeuge besitzt. Die knapp 9000 Dokumente und Dateien gaben einen Überblick über das CIA-Repertoire an Angriffswerkzeugen, darunter Schadsoftware wie Viren und Trojaner. Außerdem soll die CIA gezielt noch offene Schwachstellen in Systemen ausnutzen, sogenannte Zero-Day-Exploits.

Es schien »keine Grenzen zu geben«

Laut »Yahoo News« soll die CIA so wütend über die Veröffentlichung der Dokumente durch WikiLeaks gewesen sein, dass hochrangige Beamte nach »Skizzen« oder »Optionen« fragten, wie man Assange töten könne. Ein ehemaliger hochrangiger Beamter der Spionageabwehr soll gesagt haben, dass es während der Gespräche mit der Trump-Regierung im Jahr 2017 »keine Grenzen zu geben schien«. Ex-CIA-Chef Mike Pompeo soll die Planungen vorangetrieben haben.

Die Recherche basiert Angaben der Nachrichtenseite zufolge auf Gesprächen mit mehr als 30 ehemaligen US-Beamten – von denen acht Details zu den Vorschlägen der CIA zur Entführung von Assange beschrieben haben sollen. Die CIA lehnte demnach eine Stellungnahme ab. Pompeo soll auf eine Anfrage nicht reagiert haben.

Prozess um Assanges mögliche Auslieferung läuft noch

Assange wartet derzeit im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh auf eine Entscheidung über den Auslieferungsantrag der US-Regierung. Die USA werfen ihm vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und auf der Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht zu haben. Damit sei das Leben von Informanten in vielen Ländern in Gefahr gebracht worden. Im Falle einer Verurteilung in den USA droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Assange war 2012 vor einer Auslieferung in Ecuadors Botschaft in London geflüchtet. Dort erhielt er Asyl und 2017 auch die ecuadorianische Staatsbürgerschaft. Die Regierung des südamerikanischen Landes plante damals, Assange einen Diplomatenstatus zu verleihen und ihn so sicher aus der Botschaft bringen zu können.

Später kam es allerdings zu Spannungen zwischen Quito und Assange. Die ecuadorianische Regierung kassierte 2019 den Asylstatus wieder, und Assange wurde wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen von der britischen Polizei festgesetzt.

muk
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