Bürgermeisterin gegen Corona-Lockdown "Das hier ist nicht China, das ist Las Vegas"

Die Bürgermeisterin von Las Vegas fordert eine Öffnung der Casinos - und zieht sich aus der Verantwortung, für Sicherheit zu sorgen. In den Medien lösen ihre absurden Vergleiche Entsetzen aus.
Las Vegas mit Masken: Normalerweise drängen sich unter dem bekannten Schild Menschenmengen. Nicht zu Corona-Zeiten

Las Vegas mit Masken: Normalerweise drängen sich unter dem bekannten Schild Menschenmengen. Nicht zu Corona-Zeiten

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John Locher/ AP

Die Bürgermeisterin von Las Vegas, Carolyn Goodman, hat die Wiedereröffnung der aktuell wegen des Coronavirus geschlossenen Casinos gefordert. Es sei allerdings "nicht der Job der Bürgermeisterin", die Sicherheit in den Spielhallen zu gewährleisten, sagte sie in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN . Natürlich solle es Abstandsregeln geben, diese sollten jedoch den Betreibern überlassen werden.

"Das ist der Wettbewerb in diesem Land. Der freie Markt und die Möglichkeit, anzubieten, was dem Bedarf der Öffentlichkeit entspricht", sagte Goodman dem CNN-Moderator Anderson Cooper während des Gesprächs.

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Nachfragen des Moderators zu den damit verbundenen Gesundheitsrisiken für Gäste und Beschäftigte konterte die parteilose Politikerin mit teils absurden Vergleichen. Auf seine Frage, ob die Öffnung der Casinos und Lokale nicht Hunderttausende ermutige, nach Las Vegas zu kommen um "zu rauchen, zu trinken, Spielautomaten anzufassen, Luft aus Belüftungssystemen einzuatmen" und die Stadt so zu einer "Petrischale" für das Virus mache, bezeichnete sie den Interviewer als "Alarmist". Sie selbst sei in Manhattan aufgewachsen und wisse, wie sich voll gepferchte U-Bahnen, Busse und Fahrstühle anfühlten.

Bürgermeisterin von Las Vegas, Carolyn Goodman: "Unterhaltungshauptstadt der Welt, wo alles sauber ist"

Bürgermeisterin von Las Vegas, Carolyn Goodman: "Unterhaltungshauptstadt der Welt, wo alles sauber ist" 

Foto: Bizuayehu Tesfaye/ Las Vegas Review-Journal/ AP

Als der Moderator die Bürgermeisterin auf bestehende Studien zur Ausbreitung des Virus in China hinwies, sagte Goodman: "Das hier ist nicht China, das ist Las Vegas." Außerdem habe man aus der Geschichte gelernt, aus Ebola, dem West-Nil-Fieber und Polio. Als der Moderator ihre Antwort als "sehr ignoranten" Standpunkt bezeichnete und darauf hinwies, dass es in den Casinos von Las Vegas wohl kein Ebola gegeben hätte, sagte Goodman, das könne man nicht wissen.

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Fassungslosigkeit bei Moderator und Promis

Moderator Cooper nahm sich während des Interviews mehrmals die Brille ab und rieb sich offensichtlich verzweifelt über die Vergleiche der Bürgermeisterin die Augen. Auch in den sozialen Medien lösten die Aussagen der Politikerin teils Entsetzen aus.

Der aus Las Vegas stammende US-Moderator Jimmy Kimmel etwa schrieb auf Twitter, Goodman sei "auf gefährliche Weise fehlgeleitet". Er sei nicht leicht zu schockieren, aber das CNN-Interview sei kompletter "Irrsinn". "Die Bürgermeisterin Carolyn Goodman sollte zurücktreten, bevor heute das Mittagessen kommt", schrieb er und bezeichnete sie als "eine Peinlichkeit" für seine Heimatstadt.

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Die Entscheidung darüber, ob und wann die Casinos und andere damit verbundene Einrichtungen wie Restaurants und Hotels nach der Schließung wegen des Coronavirus wieder öffnen dürfen, liegt allerdings nicht bei Goodman, sondern bei der Aufsichtsbehörde für Glücksspiel von Nevada. Diese kündigte an, einen sicheren Plan zu entwickeln.

"Das will ich unserem Staat nicht antun"

Auch der Gouverneur von Nevada, Steve Sisolak, fährt einen anderen Kurs als die Bürgermeisterin der größten Stadt des Bundesstaats. Die Regierung arbeite daran, dass die Wirtschaft "so bald wie möglich" wieder normal arbeiten könne - allerdings seien "die Leben der Menschen in Nevada wichtiger als der Profit". Unter seiner Führung plant der Bundesstaat eine langsame Wiedereröffnung der Geschäfte, wenn verschiedene Ziele erreicht sein sollten. Dazu gehört etwa ein stabiler Abwärtstrend bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus, ausreichende Behandlungskapazitäten in Krankenhäusern und Sicherheitsvorkehrungen in Pflegeheimen.

"Wenn wir hierbei nicht kontrolliert vorgehen, werden wir in zwei oder drei Wochen von einer riesigen Welle überrollt werden", sagte der demokratische Politiker. "Das will ich unserem Staat nicht antun."

Las Vegas wurde besonders hart von der Pandemie getroffen. Viele der über zwei Millionen Bewohner der Metropolregion sind aktuell ohne Arbeit, da ein Großteil der Arbeitsplätze in der Unterhaltungs-, Gastronomie- und Hotelbranche liegt, die mit der Pandemie zum Stillstand kamen.

Am Wochenende kam es in der Glücksspiel-Hauptstadt zu Protesten gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus. Die Demonstranten ignorierten dabei die geltenden Abstandsgebote und forderten die Wiedereröffnung des öffentlichen Lebens. Zahlreiche Nutzer befürworteten auch online den Kurs der Bürgermeisterin und warfen Gouverneur Sisolak vor, aus Angst nicht für ihr Wohl zu kämpfen.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Moderator Jimmy Kimmel habe Goodman als Beleidigung für seine Heimatstadt bezeichnet. Tatsächlich schrieb er, sie sei "eine Peinlichkeit". Wir haben den Fehler korrigiert.

ire
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