Corona auf den Philippinen Beten allein hilft nicht

In Südostasien sind die Philippinen am heftigsten von der Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen betroffen: Millionen Menschen haben ihre Arbeit verloren, Tausende leiden Hunger - und die Regierung versagt.
Aus Manila berichtet Carsten Stormer
Jeepney-Fahrer in Manila, die ihre Arbeit verloren haben und jetzt in ihren Fahrzeugen hausen

Jeepney-Fahrer in Manila, die ihre Arbeit verloren haben und jetzt in ihren Fahrzeugen hausen

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL
Globale Gesellschaft

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Der Tag, an dem Jebrix Labitoria entschied, nicht mehr weiterleben zu wollen, hatte mies angefangen und wurde auch nicht besser. Sein Stiefvater war gestorben, und die Mutter verlangte von Labitoria Geld für die Beerdigung. Die Schwester, die Labitorias zweijährigen Sohn betreute, wollte dafür plötzlich bezahlt werden. Der Kleine hatte Hunger, und Labitoria konnte ihm keine Milch kaufen.

Kein Geld, keine Arbeit, kein Essen - und Jebrix Labitoria schämte sich dafür. Es kam zum Streit mit Maridel Labausa, seiner 20-jährigen Lebensgefährtin. Es ging um die Zukunft, um Verantwortung und um das Virus. Die ganze Misere und wie es weitergeht. Maridel stürmte wutentbrannt aus dem Haus, und Jebrix Labitoria war mit seinen Problemen, seinen Sorgen, all seinem Frust allein, der sich über die Wochen angestaut hatte, seitdem sein Leben wegen des Virus aus den Fugen geraten war.

Jebrix Labitoria im Juli 2020: Das Leben aus den Fugen geraten

Jebrix Labitoria im Juli 2020: Das Leben aus den Fugen geraten

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Jebrix Labitoria, 25 Jahre alt, ist ein schmaler junger Mann, der einige Jahre jünger aussieht. Vor der Corona-Pandemie arbeitete er als Schneider, seine Lebensgefährtin Maridel in einem Einkaufszentrum in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Als dann ab Mitte März von einem Tag auf den anderen die Ausgangssperre galt, Läden, Einkaufszentren, Restaurants schlossen und das öffentliche Leben zum Erliegen kam, verloren auch die jungen Eltern ihre Arbeit - und damit ihr komplettes Einkommen.

"Manchmal aßen wir einmal am Tag, es gab Zeiten, in denen wir nur Instantkaffee tranken", erzählt Labitoria. Einmal kam ein Hilfspaket der Regierung: ein bisschen Reis, Sardinen, Konserven. Das war jedoch schnell aufgebraucht.

"Ich hatte niemanden, den ich um Hilfe bitten konnte", sagt Labitoria und erzählt, dass er eine Tasse Kaffee trank und dann versuchte, sich das Leben zu nehmen. Es war der 22. April, Maridels Geburtstag. Sie fand ihn gerade noch rechtzeitig, bewusstlos, das Gesicht schon lila angelaufen. Ein Nachbar half ihr, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Labitoria kann sich an nichts erinnern. "Als ich aufwachte, war ich im Krankenhaus", sagt er. Maridel an seiner Seite. Noch am Krankenhausbett nahm sie ihm ein Versprechen ab: "Versuch das nie wieder. Du hast ein Kind, das dich braucht."

Jebrix Labitoria mit seiner Lebensgefährtin Maridel Labausa: "Versuch das nie wieder!"

Jebrix Labitoria mit seiner Lebensgefährtin Maridel Labausa: "Versuch das nie wieder!"

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

So verzweifelt wie Jebrix Labitoria sind inzwischen viele Philippiner. Im Schatten der Corona-Pandemie braute sich über Monate hinweg eine zweite Katastrophe zusammen, die sich jetzt wie ein Gewitter entlädt und Menschen wie Jebrix Labitoria verschluckt: Die Wirtschaft ist kollabiert. Der südostasiatische Inselstaat befindet sich erstmals seit Jahrzehnten in einer Rezession.

7,3 Millionen Menschen waren bereits im April arbeitslos und stehen vor dem Nichts. Keine Arbeit, kein Lohn, keine sozialen Sicherungssysteme. Bis Ende des Jahres könnten es zehn Millionen sein, befürchtet die Regierung.

Viel zu lange hatte die Regierung von Präsident Rodrigo Duterte das Virus ignoriert, blieben Grenzen und Flughäfen geöffnet, wurde zu spät getestet. Am 16. März schließlich beschloss sie, das Land ins künstliche Koma zu versetzen, und verhängte strenge Hygieneregeln und Quarantänemaßnahmen: Einreisestopps, Maskenpflicht, Ausgangssperre, Straßensperren, Sicherheitsabstand, Alkoholverbot.

Monatelang war die Hauptstadt Manila vom Rest des Landes abgekoppelt. Der Flugverkehr und der Nahverkehr wurden eingestellt. Geschäfte, Restaurants, Bars, Kinos, Sportstätten mussten schließen, die Menschen in ihren Häusern bleiben. Das Militär errichtete Straßensperren. In den am schlimmsten betroffenen Vierteln patrouillierten Polizisten in Tarnanzügen und mit Maschinengewehren durch enge Gassen.

Sicherheitskräfte kontrollieren die Straßen in Navotas City, im Norden von Manila

Sicherheitskräfte kontrollieren die Straßen in Navotas City, im Norden von Manila

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Tausende, auf der Suche nach Arbeit oder Essen, wurden festgenommen, weil sie gegen die neuen Regeln verstoßen hatten, zwei Menschen von Sicherheitskräften erschossen. Es war wohl der längste und strikteste Lockdown der Welt.

Gebracht hat er indes wenig. Die Abstandsregeln können in den meisten Gegenden, wo zu viele Menschen auf zu engem Raum leben, ohnehin kaum eingehalten werden.

Und je mehr inzwischen getestet wird, desto mehr offenbart sich das wahre Ausmaß der Pandemie. Denn trotz des Lockdowns steigen die Zahlen weiter: Gab es Mitte Juni offiziell gerade mal 27.000 Infizierte, sind es inzwischen schon rund 130.000 Fälle. Das Gesundheitsministerium meldete Anfang August täglich neue Rekordzahlen, derzeit sind es knapp 7000 Neuinfektionen pro Tag.

Die Kliniken der Hauptstadt sind überlastet, es fehlt an Personal, Krankenschwestern dürfen das Land nicht mehr verlassen. Zwei staatliche Krankenhäuser in Manila mussten vorübergehend geschlossen werden, weil zu viele Mitarbeiter infiziert waren, und selbst einige private Krankenhäuser weisen inzwischen Patienten wegen Bettenmangels ab.

Kostenlose, mobile Corona-Teststation in Manila

Kostenlose, mobile Corona-Teststation in Manila

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Viele Philippiner können sich ohnehin weder eine umfassende Krankenversicherung noch medizinische Versorgung leisten. So bilden sich vor den wenigen öffentlichen Corona-Testzentren und Zeltstationen endlose Schlangen.

Die Regierung versucht, das Chaos in den Griff zu bekommen, ohne die Wirtschaft noch stärker zu belasten. Einige Quarantänemaßnahmen wurden zwischenzeitlich etwas gelockert, Geschäfte, Büros, Restaurants unter strengen Auflagen kurzzeitig wieder geöffnet.

Gestrandet in Manila: Sogenannte LSIs (Locally Stranded Individuals) warten darauf, dass ihnen jemand sagt, wie ihr Leben weitergeht

Gestrandet in Manila: Sogenannte LSIs (Locally Stranded Individuals) warten darauf, dass ihnen jemand sagt, wie ihr Leben weitergeht

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

In den Ankunftshallen der Flughäfen, in Sportstadien, in Turnhallen und auf Basketballplätzen kampieren derweil Menschen mit ihren Habseligkeiten. Gestrandete Wanderarbeiter, die ihre Arbeit verloren haben, und Rückkehrer aus dem Ausland, die nicht wegkommen, weil Flüge, Busse, Fähren ausfallen. Männer, Frauen, Kinder, Alte. Sie alle warten darauf, dass ihnen jemand sagt, wie das Leben weitergeht.

Für sie wurde in der Krise ein neuer Ausdruck erfunden: LSIs - Locally Stranded Individuals. Kostenlose Rückführungsprogramme sollen Abertausende dieser Gestrandeten mit Bussen und Fähren aus Manila zurück in ihre Heimatprovinzen bringen, wo, so die Hoffnung, das Elend erträglicher ist als in der Millionenmetropole. Alle zwei Wochen gibt Präsident Duterte die neuesten Maßnahmen in einer Fernsehansprache bekannt; in diesem Rhythmus hangelt sich das Land von Etappe zu Etappe.

Und dann, am 3. August, kapitulierte die Regierung und verhängte über Manila und vier angrenzende Provinzen - und damit über 27 Millionen Menschen - eine erneute Ausgangssperre. Lokale Behörden drohen, Leute, die gegen Quarantäneregeln verstoßen, zu erschießen. Zuvor hatten 80 Ärzteverbände davor gewarnt, dass die Gesundheitssysteme kollabieren würden. Die Philippinen, so scheint es, verlieren den Kampf gegen das Virus.

"Das Schlimmste steht uns noch bevor. Immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit, haben nichts mehr zu essen. Wir stehen vor einer Hungerkatastrophe", sagt Eduardo Vasquez. Er ist Priester in der katholischen Kirche der Diözese von Caloocan, einem der am stärksten betroffenen Viertel Manilas.

Priester Eduardo Vasquez: "Das Schlimmste steht uns noch bevor"

Priester Eduardo Vasquez: "Das Schlimmste steht uns noch bevor"

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Wir konnten ihn in den Tagen vor dem zweiten Lockdown begleiten. Auf seinen täglichen Wegen in die Slums, zu den Verlorenen und zufällig dorthin Gespülten. Zu Menschen, deren Leben durcheinandergewirbelt wurde und die kaum noch etwas haben, an dem sie sich festhalten können. Zu denjenigen, die sich kein Mobiltelefon leisten können, die schon vor der Pandemie kaum etwas zum Leben hatten und die jetzt gar nichts mehr haben. Bis auf ihren Glauben.

Doch nur beten genügt längst nicht mehr in dem streng katholischen Land. Und deshalb trägt Vasquez statt Soutane die Uniform der Pandemie: Gesichtsmaske und Schutzbrille hinter einem Plastikvisier, Einweghandschuhe und Gummistiefel. Mit einem Strohhut schützt sich der Priester vor der sengenden Sonne. "Das hier ist ein Krieg. Eine große Schlacht. Und ich muss Kraft aus meinem Glauben schöpfen, um in der Lage zu sein, den Armen zu helfen. Denn die Menschen hungern."

Priester Vasquez auf seinem Weg durch Caloocan. Er sagt: "Es ist wichtig, dass sich die Menschen in dieser Zeit nicht von der Kirche alleingelassen fühlen"

Priester Vasquez auf seinem Weg durch Caloocan. Er sagt: "Es ist wichtig, dass sich die Menschen in dieser Zeit nicht von der Kirche alleingelassen fühlen"

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Caloocan ist einer der am dichtesten besiedelten Teile Manilas. Etwa 1,5 Millionen Menschen leben hier in einem Gassengewirr aus Hütten, Läden, Märkten. Das Thermometer zeigt schon am frühen Vormittag über 33 Grad Celsius. "Es ist wichtig, dass sich die Menschen in dieser Zeit nicht von der Kirche alleingelassen fühlen", sagt der Priester, während er seine Hände mit Alkohol desinfiziert.

Vasquez parkt seinen Wagen neben einer Tankstelle. Aus der Hecktür springen sechs Kirchenmitarbeiter, alle tragen blaue Hemden, Masken und Visiere. In den Händen halten sie Styroporboxen, darin Reis, Gemüse und ein paar Stückchen Huhn.

Arbeitslose Jeepney-Fahrer in Caloocan: keine Hilfe von der Regierung, kein Essen, nichts

Arbeitslose Jeepney-Fahrer in Caloocan: keine Hilfe von der Regierung, kein Essen, nichts

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite parken zwei Jeepneys, die bunten philippinischen Sammeltaxis. Vor den Jeepneys stehen drei Männer, um ihren Hals baumeln Pappschilder, auf denen sie um Hilfe bitten: ein Paar Pesos, ein bisschen was zu essen. In der ausgestreckten Hand eine abgeschnittene Plastikflasche, in der ein paar Münzen klimpern.

Einer der bettelnden Männer am Straßenrand ist Diosdado Padilla, ein ausgemergelter 56-Jähriger. Vor der Pandemie stolzer Besitzer und Fahrer eines Jeepneys, jetzt arbeits- und obdachlos. "Unsere Situation ist im Moment sehr schwierig. Es ist nicht erlaubt, Jeepneys zu fahren, also müssen wir betteln, manchmal hier auf der Straße, manchmal vor dem Rathaus", murmelt er unter seiner Gesichtsmaske und fügt hinzu, dass er in all den Monaten keine Hilfe von der Regierung erhalten habe, kein Hilfspaket mit Essen, keine finanzielle Unterstützung. Nichts.

Familien leben in den Jeepney-Bussen, die derzeit nicht fahren dürfen

Familien leben in den Jeepney-Bussen, die derzeit nicht fahren dürfen

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

"Wir verlangen nicht viel, wir wünschen uns nur, dass man uns wieder erlaubt zu arbeiten. Wir wollen arbeiten, nicht betteln", sagt Padilla. Weil er kein Einkommen mehr hat, verlor er seine Wohnung, erzählt er. Jetzt ist sein Wagen sein Zuhause, in der Toilette der Tankstelle darf er sich waschen und manchmal habe er tagelang nichts zu essen. "Wir leben seit fast fünf Monaten in unseren Fahrzeugen."

Der Priester Vasquez ist für Menschen wie Diosdado Padilla oft der einzige Anker. Seit März kämpft der 47-jährige Kirchenmann an der Front gegen die Auswirkungen des Virus. Um seinen Hals baumelt ein Holzkruzifix. "Meine Mission als Priester ist es, Menschen aufzusammeln, die von der Gesellschaft als Müll angesehen werden", sagt Vasquez, und dabei beschlägt sein Visier. So habe er sich seinen Spitznamen verdient: Vater Ponpon. Das bedeutet im Dialekt seiner Heimatprovinz Bicol: etwas einsammeln. Ponpon, der Menschensammler.

Kirchenmitarbeiter verteilen Essenspakete an Bedürftige - 200 jede Nacht

Kirchenmitarbeiter verteilen Essenspakete an Bedürftige - 200 jede Nacht

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Doch wie sammelt man Menschen ein, zwischen Angst und Ausgangssperre? Vasquez begann mit Onlinegottesdiensten, als die Kirchen schließen mussten. Doch das reichte nicht. Also bestellte er beim Bischof Schutzanzüge für sich und seine Mitstreiter.

Seitdem ist er wieder in seiner Gemeinde unterwegs, tauft Kinder und segnet Tote in Bestattungsinstituten und Krematorien. Er hält Straßenmessen, die mit Lautsprechern in die Wohnungen übertragen werden. Jede Nacht verteilt er 200 Essenspakete an die Hungrigen und Obdachlosen von Caloocan, deren Zahl täglich zunimmt. Und manchmal ist das Leid, dass er auf den Straßen sieht, so groß, dass er Menschen Kirchenasyl gewährt, bis sie sich wieder berappelt haben.

Priester Eduardo Vasquez schaut nach einer Familie mit neugeborenen Zwillingen

Priester Eduardo Vasquez schaut nach einer Familie mit neugeborenen Zwillingen

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Diese Pandemie sei das Furchtbarste, was er in seinem Leben erlebt habe, erzählt Vasquez. Dabei sind Krisen, Kriege und Naturkatastrophen nichts Unbekanntes für ihn. Im Jahr 2008 wurde er auf die Insel Mindanao versetzt, mitten hinein in den Höhepunkt eines Krieges muslimischer Separatisten gegen die philippinische Armee. Hunderte starben, Zehntausende wurden vertrieben. Vasquez verwandelte seine Kirche kurzerhand in ein Evakuierungszentrum für Flüchtlinge aller Konfessionen.

Im Jahr 2013 traf der Supertaifun "Haiyan" die Philippinen und tötete mehr als 6000 Menschen, Vasquez half. Und bevor er nach Caloocan versetzt wurde, war er spiritueller Berater für Terroristen, Drogenbarone, Dschihadisten und Kriegsfürsten im Zeugenschutzprogramm der Regierung.

"Und jetzt Covid", sagt er, fährt sich mit der Hand über das schüttere Haar und kichert kopfschüttelnd. "Aber dieses Virus wird mich nicht aufhalten, das zu tun, was als Priester von mir erwartet wird. Journalisten, Ärzte, Müllmänner und Leichenbestatter tun alle ihre Pflicht. Es wäre eine große Schande, wenn die Kirche sich drücken würde."

Denn während die Verzweiflung von Tag zu Tag größer wird, wird auch der Ruf nach Gott in der katholischen Inselnation immer lauter. Existenzieller. Fordernder. "Die Philippiner sehen uns Priester als Quelle der Hoffnung an", sagt Vasquez.

Aber gerade die Hoffnung sei es, die den Menschen in diesen Zeiten abhandenkomme. "Viele sehen inzwischen keinen Ausweg mehr und begehen Selbstmord", sagt Vasquez. Mehrere Mitglieder seiner Gemeinde hätten sich schon das Leben genommen.

Priester Vasquez mit Jebrix Labitoria und dessen Lebensgefährtin

Priester Vasquez mit Jebrix Labitoria und dessen Lebensgefährtin

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Einer hat es versucht - und überlebt: Jebrix Labitoria. Nun sitzt der junge Mann mit neu geschöpftem Lebensmut jede Woche von Montag bis Freitag im zweiten Stock eines Hintergebäudes von Vasquez' Kirche an einer Werkbank, umgeben von Stoffballen, Garnrollen und dem rhythmischen Schnurren einer Nähmaschine.

Neben ihm seine Lebensgefährtin Maridel. Sie nähen Schutzmasken, Schürzen, Tischdecken. Dafür bekommen sie monatlich 7200 Pesos, umgerechnet 120 Euro. Das ist nicht viel, reicht aber fürs Überleben.

Maridel Labausa, die Lebensgefährtin von Jebrix Labitoria, zeigt ein Foto ihres gemeinsamen Sohnes

Maridel Labausa, die Lebensgefährtin von Jebrix Labitoria, zeigt ein Foto ihres gemeinsamen Sohnes

Foto: Veejay Villafranca/ DER SPIEGEL

Als Vater Ponpon die Geschichte von Jebrix hörte, war er von der Not der jungen Leute erschüttert. Er bot ihnen den Job an, seitdem nähen die beiden für die Kirchengemeinde. Jetzt könnten sie wieder für ihren kleinen Sohn sorgen, sagt Jebrix Labitoria. "Er ist unser Retter."

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Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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