Corona-Graffitis weltweit Wie Street-Art-Künstler ihre Nachbarn aufklären

Graffiti-Künstler auf der ganzen Welt lassen sich von der Krise inspirieren - und setzen ihre Kunst gegen das Coronavirus ein. Manche nutzen die Straße zudem, um die Pandemie-Politik ihrer Regierung zu kritisieren.
Von Sonja Peteranderl und Alberto Piernas
Street-Art-Künstler weltweit verwandeln die Coronakrise in Kunst

Street-Art-Künstler weltweit verwandeln die Coronakrise in Kunst

Foto: Sergio Moraes/ REUTERS
Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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Somashekars Botschaften verstehen auch Menschen, die nicht lesen können. In Anantapur im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh zeichnet der 25-Jährige täglich Gemälde an Häuserwände. Seine Bilder sind kein Vandalismus, sondern Teil einer Mission: Seit dem Ausbruch der Coronakrise verbreitet Somashekar in ärmlichen Siedlungen etwa Darstellungen von Frauen in traditioneller Kleidung, die eine Maske tragen, oder Menschenmengen, die mit Kreuzen durchgestrichen sind.

Mit seiner Kunst will er seine Nachbarn über die Pandemie aufklären - und ihnen vermitteln, wie sie sich vor Ansteckungen schützen können. "Viele Menschen leben von dem, was sie täglich verdienen, und es ist deshalb sehr schwierig für sie, einfach zu Hause zu bleiben", sagte Somashekar der spanischen Zeitung "El Pais ". "Mit diesen Wandbildern kann ich dazu beitragen, das Bewusstsein aller Bewohner zu schärfen, damit sie sich selbst und andere schützen können."

Somashekar kommt selbst aus einer ärmeren Familie - mit seiner Kunst will er seinem Viertel helfen

Somashekar kommt selbst aus einer ärmeren Familie - mit seiner Kunst will er seinem Viertel helfen

Foto: Vicente Ferrer/ Somashekar

Auf der ganzen Welt haben Straßenkünstler sich dem Kampf gegen Corona angeschlossen. Sie verzieren Häuser, Gebäude, Wände und auch Straßen mit Motiven wie Viren, Masken, Ärzten und anderen Szenen aus dem Pandemie-Alltag. Mit Sprühdose, Pinsel und Schablonen übertragen die Künstler dabei medizinisches Fachwissen in leicht verständliche, visuelle Informationen - und erreichen so auch Menschen, die sich sonst kaum informieren können.

Gerade in abgelegenen Gegenden, aber auch in dicht besiedelten städtischen Armensiedlungen , in denen sich das Virus besonders schnell ausbreitet und Abstand Luxus ist, können die bunten Botschaften manchmal das Vakuum füllen, das der Staat hinterlässt - oder zumindest an Hygiene-Grundregeln erinnern.

Indien hat die höchste Corona-Neuinfektionsrate der Welt, bisher wurden 1,9 Millionen Corona-Fälle registriert

Indien hat die höchste Corona-Neuinfektionsrate der Welt, bisher wurden 1,9 Millionen Corona-Fälle registriert

Foto: Manish Swarup/ AP

In manchen Ländern nutzen Künstler die Straße zudem, um die Pandemie-Politik ihrer Regierung zu kritisieren - und viele motivieren Krankenhauspersonal dazu durchzuhalten.

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie Street-Art-Künstler weltweit die Pandemie in ihren Werken verarbeiten:

Fotostrecke

Corona-Graffiti weltweit: Aufklärung aus der Sprühdose

Foto: Ricardo Cortez

Ein Teil der Bilder ist zuvor bereits hier  in dem Projekt "Planeta Futuro" von "El Pais" erschienen.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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