DER SPIEGEL

Corona-Hotspot Belgien "Wir befinden uns kurz vor einem Tsunami"

Belgien kämpft mit rasant steigenden Infektionszahlen. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke warnte im TV mit deutlichen Worten vor einem Kontrollverlust bei der Bekämpfung der Pandemie.

Frank Vandenbroucke, Gesundheitsminister Belgien 

"Die Gesundheitslage in Wallonien und Brüssel ist die schlechteste und somit gefährlichste in ganz Europa." 

Der neue Gesundheitsminister Belgiens findet deutliche Worte. 8.500 neue Fälle pro Tag. 605 Infektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen zwei Wochen. Auf nationaler Ebene ist EU-weit derzeit nur Tschechien schlimmer von der Pandemie betroffen. 

Frank Vandenbroucke, Gesundheitsminister Belgien 

"Wir stehen kurz vor einem Tsunami. Sehr kurz davor."   

TV-Moderator 

"Was meinen Sie mit Tsunami?" 

Frank Vandenbroucke, Gesundheitsminister Belgien 

"Dass man die Kontrolle über das Geschehen verliert." 

Die Zahl der Toten steigt. Vergangene Woche waren es im Schnitt 32 am Tag. Insgesamt sind in Belgien seit Pandemie-Beginn mehr als 10.000 Menschen an Covid-19 gestorben - etwa so viele wie in Deutschland. Belgien hat mit elf Millionen Menschen jedoch nur einen Bruchteil der Einwohner.   

Frank Vandenbroucke, Gesundheitsminister Belgien 

"Wenn die Zahlen weiter steigen, wird die Zahl der Behandlungsbedürftigen so hoch sein, dass wir Nicht-Corona-Behandlungen verschieben müssen. Das ist auch sehr gefährlich. Es gibt nur eine einzige Nachricht an die Menschen: Schützt Euch und schützt Euer Umfeld, um Euch nicht anzustecken." 

Vergangenen Freitag kündigte die Regierung weitere Einschränkungen an, darunter eine Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens. Auch Cafés, Restaurant und Bars müssen zunächst für vier Wochen schließen.  

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