Corona-Impfstoff Trump nennt Chef der US-Gesundheitsbehörde "verwirrt"

Vor dem US-Senat wurde der Chef der Gesundheitsbehörde unter Eid gefragt, wann mit einem flächendeckenden Impfstoffeinsatz gegen Corona zu rechnen sei. Seine Antwort gefiel dem Präsidenten offenbar nicht.
CDC-Direktor Robert Redfield mit Donald Trump (im April): Unerfreulicher Anruf des Präsidenten

CDC-Direktor Robert Redfield mit Donald Trump (im April): Unerfreulicher Anruf des Präsidenten

Foto: MANDEL NGAN/ AFP

Der Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, geht davon aus, dass die amerikanische Bevölkerung frühestens im Sommer des kommenden Jahres gegen das Coronavirus geimpft werden kann. Zwar könnte es erste Impfungen bereits im November oder Dezember dieses Jahres geben, sagte er bei einer Senatsanhörung in Washington. Um zum normalen Leben zurückkehren zu können, "schauen wir, denke ich, in Richtung des späten zweiten oder dritten Quartals 2021".

Die US-Regierung hatte zuletzt betont, dass ein Impfstoff bereits innerhalb von 24 Stunden nach der Freigabe durch die US-Arzneimittelbehörde FDA in Verteilungszentren transportiert werden könne, und legte entsprechende Dokumente dazu vor. Die Impfung solle den Bürgern dann nach und nach weitgehend umsonst zur Verfügung gestellt werden. Priorität hätten dabei unter anderem Mitarbeiter des Gesundheitssystems.

Die Äußerungen des obersten Seuchenschützers kommentierte Donald Trump bei einer Pressekonferenz am Mittwoch abfällig: Redfield habe einen Fehler gemacht und sei "verwirrt" gewesen, so der US-Präsident.

Redfield hatte im Senat zudem gesagt, dass Masken aktuell das "wichtigste Instrument" im Kampf gegen die Pandemie seien. Er würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass eine Maske einen höheren Schutz gegen das Coronavirus biete als eine Impfung, so der CDC-Chef.

Robert Redfield vor dem US-Senat: Masken das "wichtigste Instrument" gegen das Virus

Robert Redfield vor dem US-Senat: Masken das "wichtigste Instrument" gegen das Virus

Foto: POOL / REUTERS

Trump widersprach auch hier. "Nein, ein Impfstoff ist viel effizienter als die Masken", erklärte er. Er habe Redfield angerufen und ihm gesagt, dass dieser aus seiner Sicht die Frage falsch beantwortet habe. Redfield veröffentlichte danach zwei Tweets, in denen er unter anderem schrieb, dass er an die Wichtigkeit von Impfungen glaube - und dass aktuell der beste Schutz sei, Masken zu tragen, Hände zu waschen und Abstand zu halten. Er nahm keine seiner vorherigen Äußerungen zurück.

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Fauci geht ebenfalls von Mitte 2021 aus

Auch der renommierte Immunologe Anthony Fauci  bekräftigte wenig später in einem Liveinterview mit dem "Wall Street Journal" , dass er mit einer Rückkehr zur Normalität durch eine breite Impfkampagne erst Mitte bis Ende kommenden Jahres rechne. Man werde zwar viele Menschen aus besonders gefährdeten Gruppen vermutlich bereits Anfang 2021 impfen können. "Aber die Idee, dass man die gesamte Bevölkerung, die sich impfen lassen will, binnen einem oder zwei Monaten impfen kann - das wird sehr, sehr schwer zu machen sein", sagte Fauci, der auch den Präsidenten in Virusfragen berät.

Zugleich schränkte er ein, dass man immer noch keine Gewissheit habe, dass es einen effizienten und sicheren Impfstoff geben werde - auch wenn er "vorsichtig optimistisch" sei. Fauci hatte bereits vergangene Woche gesagt, dass er mit einer Effizienz von 70 bis 75 Prozent bei einem Corona-Impfstoff rechne.

Die Pharmakonzerne Pfizer und Biontech hatten in der vergangenen Woche bekräftigt, bei erfolgreichen Ergebnissen ihrer Phase-III-Studie eines gemeinsamen Impfstoffkandidaten bereits im Oktober die Zulassung zu beantragen. Viele Experten sind jedoch besorgt, dass politischer Druck die medizinischen Regularien aushebeln könnte. Tatsächlich gab es in den vergangenen Wochen mehrfach Meldungen über Einflussnahme etwa auf Behörden und Offizielle, die mit der Genehmigung eines Impfstoffs befasst wären.

Hebelt politischer Druck medizinische Regularien aus?

Kritiker werfen Trump vor, die Suche nach einem Impfstoff für seine politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Am 3. November finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt, in Umfragen liegt Trump hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden zurück. Die US-Regierung hatte die Bundesstaaten Anfang September aufgefordert, für die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffes ab dem 1. November bereit zu sein. CDC-Chef Redfield hatte in einem Brief an die Gouverneure appelliert, die Fertigstellung von Verteilzentren bis zu diesem Datum sicherzustellen.

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Der Brief zeigt den Willen der Regierung, noch vor der Präsidentschaftswahl einen Impfstoff zu genehmigen. Trump hatte zuvor wiederholt die Hoffnung geäußert, dass ein Impfstoff zur Eindämmung der Pandemie bald zur Verfügung stehen könnte. Allerdings warnen Experten davor, einen Impfstoff ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage auf den Markt zu bringen.

hba/jok/dpa/Reuters
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