Coronavirus und US-Wahl Trumps Zeitdruck bei Impfstoffsuche alarmiert Experten

Die US-Arzneimittelbehörde FDA verhindert die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs vor der Präsidentschaftswahl - behauptet Donald Trump. Durch solche politischen Interventionen drohe eine "Tragödie", warnt eine Epidemiologin.
Trump beim Besuch eines Impfstoffherstellers in North Carolina

Trump beim Besuch eines Impfstoffherstellers in North Carolina

Foto: Carlos Barria / REUTERS

US-Gesundheitsexperten und führende Demokraten haben Präsident Donald Trump dafür kritisiert, die für die Zulassung eines Corona-Impfstoffs zuständige Behörde unter Druck zu setzen. Trumps Einmischung in die wissenschaftliche Arbeit der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) gefährde die Gesundheit aller Amerikaner, sagte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Die FDA müsse aufgrund der Verträglichkeit und Wirksamkeit eines Impfstoffs entscheiden, "nicht wegen politischen Drucks aus dem Weißen Haus", schrieb die Demokratin auf Twitter.

Die Epidemiologin Caitlin Rivers von der Universität Johns Hopkins in Baltimore erklärte: "Eine Impfung muss sicher, wirksam und vertrauenswürdig sein." Alle drei Kriterien müssten erfüllt werden. "Es wäre eine Tragödie, falls Politiker aus politischer Berechnung jene Sache gefährdeten, die uns die sichere Rückkehr zu unserem normalen Leben ermöglichen könnte", schrieb Rivers auf Twitter. Der frühere Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden, mahnte, bei der Entwicklung von Impfstoffen dürften keine Abkürzungen genommen werden. Der Prozess müsse transparent und streng sein.

Trump hatte zuvor auf Twitter behauptet, bei der FDA erschwerten ihm feindlich gesinnte Beamte die Entwicklung von Corona-Medikamenten und Impfstoffen, damit es vor der Präsidentschaftswahl am 3. November keine Erfolgsmeldung geben könne. Vertreter eines "Staats im Staate ('deep state'), oder wer auch immer", machten es den Pharmaunternehmen schwer, Probanden für Medikamente und Impfstoffe zu finden, schrieb er weiter. An Behördenchef Stephen Hahn gerichtet, schrieb er: "Wir müssen uns auf Geschwindigkeit und das Retten von Leben konzentrieren."

Trumps Stabschef Mark Meadows verteidigte die Aussagen des Präsidenten am Sonntag. Manche Beamte und Wissenschaftler wollten trotz der hohen Dringlichkeit Dienst nach Vorschrift machen, sagte er dem Fernsehsender ABC. Der Präsident mache Druck, um die Bürokratie zu reduzieren. Trump wolle, dass sie ins Schwitzen kämen, sagte Meadows. "Die Menschen in Amerika leiden", sagte er.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das Weiße Haus kündigte indes für Sonntagabend Ortszeit eine Pressekonferenz Trumps mit FDA-Chef Hahn an. Dabei werde es um einen "bedeutenden therapeutischen Durchbruch" gehen, sagte Trumps Sprecherin. Worum es genau gehen sollte, blieb zunächst unklar.

Zuletzt hatten US-Medien berichtet, dass Trump eine Zulassung der Covid-Behandlung mit aus Blutplasma gewonnenen Antikörpern forcieren wollte. Die Antikörper stammen dabei aus dem Plasma von Menschen, die diese nach einer natürlichen Infektion gebildet haben. Die sogenannte Immunplasma-Therapie wird in den USA noch erprobt. Deren Wirksamkeit ist bislang nicht abschließend geklärt.

Trump bewirbt sich im November um eine zweite Amtszeit. Die Corona-Pandemie und die von ihr ausgelöste Wirtschaftskrise könnten ihn Umfragen zufolge einen Wahlsieg kosten. Trump hatte bereits zuvor gesagt, er hoffe, dass es etwa zur Zeit der Wahl einen Impfstoff geben werde.

FDA-Chef beharrt auf Abläufe

Experten haben allerdings gewarnt, dass jegliche politische Einmischung in die Zulassung eines Impfstoffs dessen Legitimität und Sicherheit infrage stellen könnte. Sollte es bezüglich des Impfstoffs Zweifel geben, könnte es sein, dass viele Menschen auf eine Impfung verzichten, womit die Pandemie letztlich schwerer einzudämmen wäre. FDA-Chef Hahn erklärte bereits mehrmals, dass sich die Behörde bei der Zulassung eines Corona-Impfstoffs an ihre bekannten und streng wissenschaftlichen Abläufe halten werde.

Derzeit befinden sich mehrere Impfstoffkandidaten in großen klinischen Studien mit bis zu 30.000 Probanden. Sollten diese im Herbst erfolgreich abgeschlossen sein, könnten die Aufsichtsbehörden mit dem - normalerweise aufwendigen und langwierigen - Prozess der Zulassung beginnen. Experten der US-Regierung, darunter der Immunologe Anthony Fauci, haben sich zuversichtlich gezeigt, dass es Anfang oder Mitte 2021 einen wirksamen Impfstoff geben könnte.

In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es bislang rund 5,7 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und 176.000 damit in Verbindung stehende Todesfälle. Täglich werden im Schnitt rund 45.000 Neuinfektionen gemeldet.

dab/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.