80 Prozent der Bevölkerung infiziert Fachleute sehen Coronawelle in China auf Höhepunkt

Eine große Infektionswelle rollt über das bevölkerungsreichste Land der Welt. Schätzungen zufolge dürften sich bereits über eine Milliarde Chinesen mit dem Virus angesteckt haben – nun droht wohl ein Spitzenwert.
Besucher in Peking während der Feierlichkeiten zum Mond-Neujahr: Es ist das Jahr des Hasen

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Foto: Mark Schiefelbein / AP

Die massive Coronawelle in China erreicht wohl ihren Höhepunkt. Nach Modellrechnungen könnte die Zahl der täglichen Neuinfektionen bis spätestens Freitag auf einen Spitzenwert von 4,8 Millionen pro Tag gestiegen sein, bevor sie wieder abnimmt, wie das in London ansässige Forschungsinstitut Airfinity berichtete . Die Zahl der Toten dürfte den Berechnungen zufolge am Donnerstag mit 36.000 am Tag ihren höchsten Stand erreichen. Seit Anfang Dezember könnten nach diesen Schätzungen bereits 848.000 Menschen gestorben sein.

Die Ausbreitung des Virus hatte sich nach Angaben der Experten auch durch die Anfang Januar begonnene Reisewelle zum laufenden chinesischen Neujahrsfest stärker als erwartet beschleunigt.

Nach Schätzungen des führenden Epidemiologen Wu Zunyou vom nationalen Gesundheitsamt (CDC) dürften sich bereits bis zu 80 Prozent aller Chinesen mit dem Virus angesteckt haben – mehr als eine Milliarde.

Lücke bei offiziellen Zahlen

Allerdings ist es im Moment schwer, die Lage unabhängig zu bewerten, weil chinesische Behörden kaum noch offizielle Zahlen veröffentlichen. Weltweit versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deshalb, die wenigen verfügbaren Daten zusammenzubringen, um wenigstens ein ungefähres Bild zu bekommen .

Die Analyse von Airfinity basiert laut Unternehmensangaben auf den zuletzt verfügbaren Daten aus China. Diese kombinierte ein Team aus Epidemiologen mit Wachstumsraten aus anderen Regionen wie Hongkong und Japan, die wie China eine Null-Covid-Strategie fuhren und dann Beschränkungen aufhoben.

Wurden ursprünglich zwei Infektionskurven vorhergesagt, wird jetzt vielmehr eine größere und längere Welle erwartet, was den Druck auf Krankenhäuser noch erhöhen dürfte und eine höhere Sterblichkeit erwarten lasse, berichteten die Forscher von Airfinity. Ihre neu vorgelegten Hochrechnungen berücksichtigen Berichte, wonach einige inländische Provinzen, darunter Henan, Gansu, Qinghai und Yunnan, den Höhepunkt ihrer Infektionswelle bereits erreicht haben.

Nach fast drei Jahren hatte China vor sieben Wochen seine strikte Null-Covid-Strategie mit Lockdowns, Zwangsquarantäne und Massentests abrupt aufgegeben. Die Maßnahmen konnten das Virus nicht mehr stoppen und belasteten die zweitgrößte Volkswirtschaft. Begründet wurde die völlige Lockerung mit leichteren Krankheitsverläufen durch die Omikron-Variante. Seither rollt eine große Infektionswelle durch das bevölkerungsreichste Land der Welt. Krankenhäuser und Krematorien sind überlastet, viele Medikamente ausverkauft.

Offizielle Zahlen über das Ausmaß der Infektionen werden nicht mehr veröffentlicht. Mitte Januar meldete Chinas Gesundheitskommission, dass rund 60.000 meist ältere Menschen seit Anfang Dezember an oder mit einer Coronainfektion gestorben seien. Ausländische Experten halten die Zahlen aber für unrealistisch.

aeh/koe/dpa
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