Virusmutation und Rekord bei Neuinfektionen Boris Johnson deutet härteren Corona-Kurs an

Großbritannien meldet mehr als 57.000 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, die neue Virusvariante lässt die Fallzahlen offenbar nach oben schießen. Premier Johnson bringt strengere Maßnahmen ins Gespräch.
Boris Johnson hat »keinen Zweifel daran, dass die Schulen sicher sind« (Archivbild)

 Boris Johnson hat »keinen Zweifel daran, dass die Schulen sicher sind« (Archivbild)

Foto: Tolga Akmen / dpa

Der britische Premier Boris Johnson hat in einem Fernsehinterview einschneidendere Maßnahmen im Kampf gegen die Coronakrise angedeutet. »Möglicherweise gibt es Dinge, die wir in den nächsten Wochen tun müssen, die härter sein werden«, sagte er in der »Andrew Marr-Show« des Senders BBC, ohne sich jedoch präziser zu äußern: »Ich werde jetzt nicht darüber spekulieren, wie diese aussehen könnten.«

Derzeit gilt im Land ein mehrstufiges Regelsystem je nach Infektionslage, wobei große Teile des Landes bereits unter harten Beschränkungen leben. Großbritannien verzeichnete am Samstag eine Rekordzahl von mehr als 57.000 neuen Infektionen. Insbesondere in London und im Süden Englands geraten die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenzen. Die neue und wohl deutlich ansteckendere Coronavirus-Variante lässt die Fallzahlen nach oben schießen.

Sichere Schulen?

Schulen in London bleiben auch nach dem Ende der Weihnachtsferien vorerst flächendeckend geschlossen. Zu dieser Entscheidung sah sich die britische Regierung aufgrund hoher Infektionszahlen gezwungen. In anderen Teilen des Landes sollen Grundschulen am Montag wieder öffnen und weiterführende Schulen in den kommenden Wochen folgen – teilweise begleitet von Massentests.

»Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Schulen sicher sind und dass Bildung Vorrang hat«, sagte Johnson im TV-Interview. Unterdessen warnen Gewerkschaften und etliche örtliche Behörden vor einer Wiederöffnung der Schulen und drohen damit, sich der Anordnung der Regierung zu widersetzen.

Zu Anfang der Coronakrise hatten Schulen nicht als Pandemietreiber gegolten. Neue Studien kommen jedoch zu anderen Schlüssen. Ende Dezember machte beispielsweise eine Untersuchung aus Hamburg Schlagzeilen; demnach haben sich im September sehr wahrscheinlich mindestens 25 Schüler und Lehrkräfte einer Schule bei einem einzigen Infizierten angesteckt.

Große Unzufriedenheit mit der Regierung

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Focaldata ist die Unzufriedenheit mit der Politik der britischen Regierung groß, wie die »Sunday Times«  berichtete. Die konservativen Tories mit Premier Boris Johnson als Parteichef würden laut Umfrage bei einer Parlamentswahl 81 Sitze im Parlament verlieren. Derzeit hat Johnson dort eine Mehrheit von 80 Sitzen.

Für das Meinungsbild wurden im Dezember mehr als 22.000 Briten befragt. Zu dieser Zeit drohte noch ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Handelspakt, außerdem wurden geplante Corona-Lockerungen über die Weihnachtstage für Millionen von Menschen gestrichen.

bbr/dpa
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