Warnung vor »fremden Gegenständen« Pjöngjang macht Südkorea für Coronaausbruch im eigenen Land verantwortlich

Die nordkoreanischen Behörden haben eine eigenwillige Erklärung für den Coronaausbruch in ihrem Land: Verantwortlich seien Aktivisten in Südkorea, die Ballons mit Flugblättern in den Norden schicken würden.
Angestellte einer Sportwarenfabrik in Pjöngjang desinfizieren den Boden eines Raums

Angestellte einer Sportwarenfabrik in Pjöngjang desinfizieren den Boden eines Raums

Foto: Cha Song Ho / dpa

Nordkorea macht »fremde Gegenstände«, die über die Grenze zu Südkorea geflogen seien, für den Coronaausbruch im Land verantwortlich. Das geht aus Erklärungen der staatlichen Stelle für Epidemieprävention hervor. Sie warnte die Bürgerinnen und Bürger vor den Gegenständen und erwähnte unter anderem explizit Ballons, die aus dem Süden über die Grenze geschickt worden seien.

Seit Jahren lassen Aktivistinnen und Aktivisten in Südkorea Ballons mit Flugblättern über die Staatsgrenze fliegen. In den Schriften kritisieren sie den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un. Manchmal schicken sie auch Geldscheine oder USB-Sticks mit Nachrichten über die Grenze. Die südkoreanische Regierung hatte die Ballonsendungen vergangenes Jahr verboten, um Nordkorea nicht zu provozieren.

Südkorea widersprach den Angaben aus dem Norden am Freitag. Es sei unmöglich, dass die Ballons Coronaviren in den Norden gebracht hätten. Aktivisten vermuteten, dass der Norden dafür sorgen wolle, dass die Bürger die Flugblätter künftig meiden. »Es handelt sich um typische nordkoreanische Propaganda«, sagte Lee Min Bok, ein nordkoreanischer Überläufer. Das Regime versuche Angst und Hass gegenüber Südkorea zu schüren.

Millionen Fieberkranke in Nordkorea

Nordkorea hatte lange Zeit behauptet, coronafrei zu sein. Inzwischen gibt es offensichtlich einen großen Ausbruch im Land. Am 12. Mai musste die Regierung den Notstand ausrufen. Die Behörden geben die Zahl der Menschen mit covidähnlichen Symptomen wie Fieber mit 4,7 Millionen an. Den offiziellen – und wenig glaubwürdigen – Angaben zufolge gab es bisher nur 73 Todesopfer.

Nach Angaben der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur sei der Ausbruch auf einen grenznahen Distrikt im Süden des Landes zurückzuführen. Dort seien ein fünfjähriges Kind und ein Soldat positiv getestet worden, nachdem sie unidentifizierte Gegenstände berührt hätten. Mitte April habe sich das Virus dann weiterverbreitet. Die Behörden warnten die Bevölkerung, Objekte, die die Grenze passieren, sofort zu melden.

slü/AP
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