Recycling von Plastikflaschen Wie Thailands Mönche sich gegen Corona schützen

Thailand hatte wegen der Coronapandemie zuletzt viele Sterbefälle. Feuerbestattungen nach buddhistischem Ritus gestalteten sich deshalb schwierig. Eine Recycling-Lösung schafft nun Abhilfe.
DER SPIEGEL

Ein buddhistischer Mönch streift sich einen Plastik-Overall über seine Robe (Ortsmarke hier). Der Anzug soll den Mönch vor dem Coronavirus schützen. Das Bild wirkt auf den westlichen Beobachter ungewöhnlich, wird in Thailand aber langsam zur Normalität.

In dem südostasiatischen Land sind Feuerbestattungen nach buddhistischem Ritus weit verbreitet. Dabei werden aber keine Bestatter, sondern Mönche tätig. Als infizierte Menschen starben, gestaltete sich die Einäscherung in den letzten Monaten schwierig – denn auch von Verstorbenen kann noch eine Übertragungsgefahr ausgehen.

Phra Maha Pranom Dhammalangkaro, Abt Chakdaeng Tempel:
»Es gibt Zeiten, da ist es sehr schwer, Schutzanzüge zu bekommen – selbst wenn man Geld hat. Aber jetzt produzieren wir Schutzanzüge aus recycelten Plastikflaschen. Also hat der Müll nun einen Wert.«

Plastikflaschen werden nach Gebrauch sonst oft einfach weggeworfen und damit zur Umweltbelastung. Nun halten sie als Grundstoff für die Corona-Schutzanzüge her.

In dieser Textilfabrik in der thailändischen Provinz Rayong südöstlich der Hauptstadt Bangkok wird normalerweise Kleidung für große Modemarken hergestellt. Jetzt spinnen die Maschinen hier aber ein ganz anderes Produkt.

Arnuphap Chompuming, Textilkonzern Thai Taffeta:
»Nachdem die Plastikflaschen zu einem Garn verarbeitet wurden, wird das Garn zu einem Stoff gewoben. Danach wird der Stoff gefärbt und wasserdicht verarbeitet. Das passiert, damit Staubpartikel nicht durch den Anzug kommen und er uns vor dem Kontakt mit dem Virus schützt.«

Mit dem Recycling war die Fabrik des Textilkonzerns Thai Taffeta seit Juni vergangenen Jahres sehr erfolgreich. Mehr als 18 Millionen Flaschen wurden zu über 2.700 Kilometer Stoff verarbeitet.

Auch im Chakdaeng Tempel in der Provinz Samut Prakan landet der Stoff. Freiwillige nähen hier aus dem Material Schutzanzüge. Für einen Anzug braucht es etwa 18 Plastikflaschen. Dass die Näherinnen nicht in einer spezialisierten Fabrik arbeiten, führt hier eher zu wenigen Bedenken.

Savanit Boonyasuwat Kosolpisitkul, Chemieunternehmen PTTGC Thailand:
»Das ist dasselbe Material, es hat 3M-Klassifizierung. Aber es ist nicht dieselbe Art des Nähens. Fabriken haben in der Regel feste Abläufe, wie sie medizinische Kleidung anfertigen, damit auch kein Fehler zu einem Loch führt. Die Freiwilligen hier stellen keine Schutzanzüge nach medizinischem Standard her, aber die Anzüge bedecken den ganzen Körper und schützen den Träger natürlich trotzdem gut.«

Für die Mönche sind die Anzüge eine große Hilfe. Etwa 20-mal kann so ein Schutzanzug benutzt werden. Auch bei der Reduktion des Plastikmülls hilft das Recycling.

Die Anstrengungen gegen das Coronavirus werden in Thailand dringend benötigt. Das Land verzeichnete inzwischen mehr als 1,5 Millionen Infektionen und mehr als 15.000 Todesfälle.

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