Omikron-Welle Coronainfektionen in Afrika nähern sich der 10-Millionen-Marke

In Afrika sind erst zehn Prozent der Menschen zweifach geimpft, nun breitet sich Omikron auf dem Kontinent rasend schnell aus. Die Afrikanische Union empfiehlt den Ländern, sich Südafrika als Vorbild zu nehmen.
Gedenkfeier für Coronatote im südafrikanischen Johannesburg

Gedenkfeier für Coronatote im südafrikanischen Johannesburg

Foto: KIM LUDBROOK/EPA-EFE/Shutterstock

Der afrikanische Kontinent nähert sich bei der Zahl der Coronainfektionen mittlerweile der 10-Millionen-Marke. Fünf Länder befinden sich nun in der fünften Infektionswelle. Die neue Coronavirus-Variante Omikron sei nun in 42 der insgesamt 54 afrikanischen Länder registriert worden, sagte John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC).

»Wir mögen ermattet sein durch dieses Virus, doch das Virus ist noch nicht müde«, so Nkengasong. Entsprechend hält er die Entdeckung weiterer Varianten im Laufe des Jahres für durchaus möglich.

Viele afrikanische Länder sind im Kampf gegen die Coronapandemie deutlich schlechter gerüstet als der wohlhabende Westen. Auch Impfstoffe kommen kaum ausreichend auf dem Kontinent an. Gleichzeitig lassen sich Struktur, Gesundheitswesen und Umgang mit der Pandemie zwischen den mehr als 50 Staaten kaum vergleichen. Die Afrikanische Union gibt den Ländern dennoch Hoffnung.

»Die Zeit, in der wir einen harten Lockdown als Instrument genutzt haben, ist vorbei.«

John Nkengasong, Africa CDC

Südafrika sei nicht nur wegen der guten Informationspolitik der dortigen Behörden eine Art Trendsetter beim Umgang mit der Omikron-Variante, sagte Nkengasong: »Ich denke, Südafrika hat uns den Weg gewiesen, wie wir mit steigenden Infektionen umgehen und einen harten Lockdown vermeiden, der die Wirtschaft schwer schädigen kann.« Der steile Fall der Infektionszahlen nach dem ebenso steilen Anstieg in Südafrika sei eine sehr gute Nachricht.

Allerdings müsse nach der Rückkehr vieler Südafrikanerinnen und Südafrikaner aus den Sommerferien erst mal beobachtet werden, ob der Trend auch anhalte. »Die Zeit, in der wir einen harten Lockdown als Instrument genutzt haben, ist vorbei«, betonte er aber.

In ganz Afrika wurden vergangene Woche 300.000 Corona-Neuinfektionen gezählt – ein Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Allerdings entfielen 49 Prozent der Fälle dabei auf das südliche Afrika. Der Kontinent hat mittlerweile knapp 547 Millionen Impfdosen beschafft, doch sind in Afrika weiter erst gut zehn Prozent der Bevölkerung zweifach gegen das Coronavirus geimpft. Nkengasong hofft, diesen Wert bis zum Jahresende auf 70 Prozent zu steigern.

Die CDC versucht, die Mittel der afrikanischen Staaten zu bündeln und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren. Insgesamt wurden bisher in Afrika laut CDC gut 9,8 Millionen Infektionen dokumentiert, von denen mehr als 229.000 tödlich waren. Die Dunkelziffer dürfte nach Angaben von Experten auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen jedoch höher liegen.

mrc/dpa
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