Corona-Intensivstation in Bergamo "Ich habe das Gefühl, selbst zu ersticken"

Für den SPIEGEL dokumentierte der Fotograf Sergio Ramazzotti den Kampf der Ärzte in Bergamo gegen Corona. Hier kommentiert er eine Auswahl seiner Bilder.
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Als ich am Haupteingang des Krankenhauses Giovanni XXIII ankam, war ich sofort sehr berührt von der Wandmalerei. Mich beeindruckte nicht nur, dass es eine großartige Wertschätzung für die Arbeit des Personals ist, sondern auch, dass das Krankenhaus, obwohl dort absoluter Ausnahmezustand herrscht, wohl noch irgendwie die Kraft fand, das zu organisieren.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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Die erste Station, die ich betreten durfte, war die Notaufnahme, die in eine Art Covid-19-Station umgewandelt worden war. Um Zugang zu diesem Bereich zu erhalten, habe ich meine komplette PSA (Persönliche Schutzausrüstung) angelegt, wie ich es bei meiner Recherche über den Ebola-Ausbruch in Liberia im Jahr 2014 gelernt hatte.

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Sergio Ramazzotti/Parallelozero

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Dies ist eines der ersten Bilder, das ich auf der Intensivstation gemacht habe, wo Dutzende Patienten um ihr Leben kämpfen. Die Ärzte auf diesem Bild sagten mir, dass es entscheidend sei, dass die Patienten alle paar Stunden auf den Bauch gedreht werden, um das Atmen zu erleichtern. Ohne diese Maßnahme werde die Wirksamkeit des Lungenbeatmungsgeräts drastisch verringert.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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Auf diesem Bild diskutieren Ärzte und Sanitäter über den Zustand eines Patienten auf der Intensivstation. Das Personal ist von der Anzahl der Patienten vollkommen überfordert und arbeitet häufig in 20-Stunden-Schichten.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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In der Notaufnahme ist nicht mehr genügend Platz vorhanden, um alle neuen Patienten mit Covid-19-Symptomen aufzunehmen. Viele mit weniger schwerwiegenden Symptomen werden vorübergehend in den Fluren oder - wie auf diesem Bild - in den Wartezimmern untergebracht.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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Das ist ein sehr schmerzhaftes Bild für mich. Es zeigt einen älteren Mann in der Notaufnahme. Er kämpfte unter dieser Plexiglaskuppel buchstäblich bei jedem Atemzug um Luft. Was dieses Foto nicht zeigt: die Krämpfe, die seinen Körper dabei durchströmten. Jedes Mal, wenn ich es ansehe, habe ich das Gefühl, selbst zu ersticken.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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Am Ende des Tages zog ich meine Ebola-Schutzausrüstung aus, unter der ich völlig schweißgebadet war. Dann brachte man mich in die Leichenhalle, wo mir die Särge der Opfer gezeigt wurden. Bergamo, eine Stadt mit 120.000 Einwohnern, schafft es aktuell nicht, all die Toten zeitnah zu beerdigen. Es war eiskalt in dem Raum, der Schweiß trocknete auf meiner Haut - aber der Schauer, der mich während des Fotografierens in dem Raum durchlief, war keine Folge der Kälte.

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero
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Sergio Ramazzotti, geboren 1965 in Mailand, hat Hunderte von Geschichten aufgeschrieben und fotografiert, die meisten von ihnen für führende Magazine weltweit. Er hat mehrere Romane und Fotobände veröffentlicht und ist Mitglied der Agentur paralleozero.

Foto: Sergio Ramazzotti / Parallelozero
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