Corona-Immunisierung weltweit Israel impft schnell, Deutschland hat Anlaufschwierigkeiten

Wenige Tage nach dem Impfstart in Deutschland gibt es reichlich Unklarheiten. Israel hat sich hingegen bereits zum »Corona-Impfweltmeister« erklärt. Warum läuft die Immunisierung in einzelnen Ländern so unterschiedlich?
Impfung in Jerusalem: Israel hat sein Ziel von 150.000 Impfungen am Tag bereits überschritten

Impfung in Jerusalem: Israel hat sein Ziel von 150.000 Impfungen am Tag bereits überschritten

Foto: AMMAR AWAD / REUTERS

Es ist ein kleiner Pieks, aber große Teile der Menschheit sehnen sich ihm derzeit entgegen. Weltweit ringen Staaten darum, ihre Bevölkerung möglichst schnell gegen Sars-CoV-2 zu impfen. Mehrere Impfstoffe warten im Kampf gegen das Coronavirus auf ihre Zulassung. Bisher ist in den meisten Staaten der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer zugelassen, Großbritannien hat nun als erstes Land weltweit auch den Impfstoff von AstraZeneca zugelassen.

Das britisch-schwedische Pharmaunternehmen hat den Impfstoff zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Er ist ersten Studien zufolge zwar nicht ganz so wirksam wie das Biontech-Präparat, dafür ist er aber deutlich billiger und lässt sich leichter lagern.

Wie schnell – und wie viel – in welchen Ländern geimpft wird, ist jedoch höchst unterschiedlich. Die USA haben bislang am meisten Impfdosen verteilt: 2,1 Millionen Einheiten (Stand: 28. Dezember), gefolgt von China (1 Million Impfdosen) und Großbritannien (800.000). Die höchste Impfquote hat allerdings Israel.

Weltweite Corona-Immunisierung im Pro-Kopf-Verhältnis

Mit 7,44 Impfdosen pro 100 Einwohner führt Israel die Statistik derzeit deutlich an. Als Erster erhielt Premier Benjamin Netanyahu den Impfstoff von Biontech. Mittlerweile wurden knapp 650.000 Impfdosen verabreicht (Stand: 29. Dezember). Die Zahl der Geimpften ist in Israel mittlerweile höher als die Zahl der Israelis, die seit Beginn der Pandemie mit einer Corona-Infektion registriert wurden. Netanyahu erklärt sein Land bereits zum »Corona-Impfweltmeister«.

Benjamin Netanyahu: Israels Premier wurde als Erster im Land geimpft

Benjamin Netanyahu: Israels Premier wurde als Erster im Land geimpft

Foto: AMIR COHEN / REUTERS

Auf Platz 2 im Pro-Kopf-Verhältnis liegt Bahrain mit einer Quote von 3,29 Impfungen auf 100 Einwohner. Das Land hatte bereits vor drei Wochen in einer Eilzulassung den Biontech-Stoff freigegeben und zudem bereits Anfang November einen chinesischen Impfstoff zugelassen.

Großbritannien, das Land, das weltweit zuerst mit den Impfungen begonnen hatte, hat hingegen mit 1,18 verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohner nur die dritthöchste Impfquote.

In Deutschland haben in den ersten drei Tagen seit dem offiziellen Start der Corona-Impfkampagne bislang mehr als 60.000 Menschen die Immunisierung erhalten. Gemessen am Pro-Kopf-Verhältnis liegt die Bundesrepublik damit im internationalen Vergleich derzeit auf Platz 7 mit einer Quote von 0,09 verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohnerinnen und Einwohner.

Neben dem Impfstart spielt bei der Quote vor allem ein weiterer Fakt die entscheidende Rolle: die Verfügbarkeit des Impfstoffs und damit verbunden auch die Beschaffungspolitik.

Während Staaten wie die USA und Israel ihre Impfstoffe allein einkaufen, bestellt die Bundesrepublik sie gemeinsam mit den anderen Staaten der Europäischen Union (EU). Als im Herbst bekannt wurde, dass der Biontech-Impfstoff sehr wirksam ist, reagierte die israelische Regierung schneller und bestellte pro Kopf mehr Dosen bei Pfizer als die EU-Staaten.

Bei der Beschaffung gehe man »den europäischen Weg«, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die EU bestellt gemeinsam, die Impfstoffe werden dann unter den Mitgliedstaaten nach Bevölkerungsanteil verteilt. Zuletzt hatte sich die Bundesrepublik einem Bericht zufolge allerdings in Teilen zu einem nationalen Alleingang bei der Impfstoffbeschaffung entschlossen und Millionen weitere Impfdosen nachbestellt.

Spahn optimistisch über Erwerb von Impfdosen

Israel hingegen hat nach Angaben von Ministerpräsident Netanyahu die Lieferung von acht Millionen Impfdosen von Biontech und Pfizer vereinbart. Moderna soll sechs Millionen liefern. Im Land befinden sich laut »The Jerusalem Post« bereits 3,2 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer.

Zudem sei Israel ein sehr kleines Land, das nicht in Bundesländer aufgeteilt ist, sagt Professor Arnon Afek, Vizedirektor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv, der Deutschen Presse-Agentur. »Da ist es leichter, die Bevölkerung schnell zu impfen, als in einem großen Land wie Deutschland mit mehr als 80 Millionen Einwohnern.«

In Deutschland hat Gesundheitsminister Spahn derweil um Verständnis und Geduld bei Anlaufschwierigkeiten der Impfungen gebeten. Gleichzeitig kritisierten Landespolitiker Unklarheiten bei den Impfstofflieferungen. Dass Deutschland am Ende zu wenig abbekommen könnte, glaubt Spahn nicht. Bis zum Jahreswechsel sollen laut dem Gesundheitsminister 1,3 Millionen Dosen zur Verfügung stehen.

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Insgesamt erwarte Deutschland von den Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna über 130 Millionen Impfdosen. »Die allein würden schon reichen im nächsten Jahr, um jedem, der geimpft werden will, ein Impfangebot zu machen«, sagte Spahn bei »Bild live«.

In vielen anderen Ländern weltweit haben die Impfungen derweil noch nicht begonnen, sie warten noch auf den Impfstoff oder führen Verhandlungen mit den Herstellern. Auch legen nicht alle Länder ihre Zahlen offen.

In der Türkei ist am Mittwochmorgen eine erste Ladung des chinesischen Impfstoffs eingetroffen. Nach einer zweiwöchigen Testphase wolle man mit den Impfungen des Impfstoffes der Firma Sinovac beginnen, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit. Wie viele Dosen angekommen sind, ließ er offen. Ursprünglich hatte die Türkei 50 Millionen Dosen des chinesischen Impfstoffs bestellt, zudem will sie weitere Dosen von Biontech und Pfizer beziehen.

mit dpa/afp