Schuldzuweisung in der Coronakrise US-Präsident wirft China Verschleppung der Pandemie vor

Donald Trump hat seine Kritik am Vorgehen Chinas in der Coronakrise erneuert. Peking hätte das Virus schneller eindämmen können, so der US-Präsident. Man prüfe nun Möglichkeiten, das Land "zur Rechenschaft zu ziehen".
Donald Trump: "Wir führen sehr ernste Untersuchungen durch"

Donald Trump: "Wir führen sehr ernste Untersuchungen durch"

Foto: Alex Brandon/ AP

Eigentlich hatte Donald Trump seine täglichen Presse-Briefings im Weißen Haus vorerst abgesagt - angeblich aus Protest gegen die in seinen Augen unfairen Medienvertreter. Zuletzt hatte Trump unter anderem mit Spekulationen über die Injektion von Desinfektionsmitteln für Aufsehen gesorgt. Am Montag allerdings wurde dann nach einigem Hin und Her doch kurzfristig ein Termin angesetzt.

Dabei erklärte der US-Präsident, dass China die Coronavirus-Pandemie seiner Überzeugung nach hätte verhindern können. "Wir führen sehr ernste Untersuchungen durch. Wir sind nicht glücklich mit China. Wir glauben, dass es an seinem Entstehungsort hätte gestoppt werden können. Es hätte ganz schnell eingedämmt werden können und damit hätte es sich nicht auf der ganzen Welt ausgebreitet", sagte Trump am Montag (Ortszeit) im Weißen Haus. Es gebe "viele Möglichkeiten, sie zur Rechenschaft zu ziehen."

Trumps jüngste Kritik fügt sich nahtlos in eine Reihe an Vorwürfen in Richtung China an: Die US-Regierung bemängelt schon länger Chinas Umgang mit dem Coronavirus-Ausbruch, der Ende vergangenen Jahres in der chinesischen Stadt Wuhan begann und sich zu einer globalen Pandemie entwickelt hat. Tatsächlich gibt es Zweifel an der Transparenz der chinesischen Verantwortlichen, vor allem in der Frühphase des Ausbruchs.

Ablenkungsmanöver oder ernsthafte Indizien für Fehlverhalten?

Allerdings dürfte Trump auch versuchen, mit seinen Beschuldigungen von den gut dokumentierten Versäumnissen seiner eigenen Regierung abzulenken. Über Wochen hatte Trump öffentlich das Risiko durch Covid-19 heruntergespielt und so wertvolle Zeit der Vorbereitung auf die nahende Infektionswelle verstreichen lassen. Neben China hatte Trump auch die Weltgesundheitsorganisation angegriffen und sich einen Kleinkrieg mit den Verantwortlichen in den einzelnen US-Bundesstaaten geliefert. Dazu wurde er nicht müde, den Medien Panikmache und unfaire Berichterstattung zu unterstellen. Seine Umfragewerte haben zuletzt gelitten - ein Problem für ihn mit Blick auf die Wahlen im November.

Vergangene Woche hatte Außenminister Mike Pompeo gesagt, die Vereinigten Staaten seien "fest davon überzeugt", dass die Regierung in Peking den Ausbruch nicht rechtzeitig gemeldet habe und verschleiert hätte, wie gefährlich die durch das Virus verursachte Atemwegserkrankung Covid-19 sei. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, erklärte am Montag auf Twitter, Pompeo solle aufhören, ein politisches Spiel zu spielen. "Verwenden Sie Ihre Energie besser darauf, Leben zu retten."

Der Ausbruch des Coronavirus hat laut einer Reuters-Zählung weltweit mehr als 207.000 Menschen das Leben gekostet, darunter allein mehr als 55.000 in den Vereinigten Staaten. Die USA sind das am härtesten betroffene Land, entsprechend angespannt agieren die Verantwortlichen in Washington.

Berater des Präsidenten erhebt massive Vorwürfe gegen Peking

Bereits am Montag warf der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, China vor, minderwertige und sogar gefälschte Coronavirus-Antikörper-Testkits in die Vereinigten Staaten zu schicken und "Profit" aus der Pandemie zu schlagen. Navarro, ein offener Kritiker der Volksrepublik, wurde von Trump mit Fragen der Versorgungslinie im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise betraut.

Er sagte, mehr Tests sowohl für das Virus als auch für Antikörper seien entscheidend, um die Bürger der USA wieder an ihre Arbeitsplätze zu bringen. "Vielleicht können wir durch Menschen, die immun sind, die Arbeitsplätze sicherer machen. Daher können wir nicht zulassen, dass China zum Beispiel diese gefälschten Tests einführt, weil sich das störend auswirken kann", sagte Navarro in einem Interview mit dem Sender "Fox News". Die Vereinigten Staaten sind bei der medizinischen Grundausstattung und Pharmaprodukten stark von China abhängig.

jok/Reuters