Zur Ausgabe
Artikel 39 / 67
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Ehemalige WHO-Chefin kritisiert China "Die Verantwortlichen waren zu langsam, haben zu spät informiert"

Die frühere WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland wirft der chinesischen Regierung Fehler zu Beginn des Corona-Ausbruchs vor. Doch auch Europa sei zunächst zu leichtsinnig gewesen.
Ein Interview von Dietmar Pieper
aus DER SPIEGEL 24/2020
Warnerin Brundtland: "Ich war sofort sehr besorgt"

Warnerin Brundtland: "Ich war sofort sehr besorgt"

Foto:

NTB/ danapress

Der Anruf erreicht Gro Harlem Brundtland, 81, in ihrem Sommerhaus in Norwegen. Auch dort ist sie weltweit vernetzt und viel gefragt: Die ehemalige Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ministerpräsidentin Norwegens leitet seit zwei Jahren als Co-Vorsitzende das "Global Preparedness Monitoring Board", eine Expertengruppe, die Regierungen auf die Gefahr durch neuartige Infektionskrankheiten aufmerksam macht. Gegründet wurde die Denkfabrik von WHO und Weltbank.

Der Bericht, den sie vergangenen September präsentierte, hatte prophetischen Charakter: "Für die Welt besteht das akute Risiko verheerender Epidemien oder Pandemien, die nicht nur zum Verlust von Leben führen, sondern Volkswirtschaften abwürgen und soziales Chaos verursachen", heißt es darin.

Im Gespräch kritisiert Brundtland das chinesische Krisenmanagement zu Beginn des Corona-Ausbruchs. Schon am 1. Januar sei klar erkennbar gewesen, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werde. Offiziell gab China dies erst am 20. Januar bekannt.

Auch den europäischen Staaten hält die frühere norwegische Ministerpräsidentin Fehler vor. Dass der Kontinent zum Zentrum der Pandemie werden konnte, führt sie auf zu großes Vertrauen in die nationalen Gesundheitssysteme zurück. Außerdem hätten sie "unterschätzt, wie ansteckend das neue Coronavirus ist". Vorbildlich sei dagegen das entschlossene Handeln in asiatischen Ländern wie Taiwan und Südkorea gewesen.

Brundtland befürchtet, dass die nächste Pandemie womöglich noch schlimmer wird.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

SPIEGEL: Frau Brundtland, US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass sich die Vereinigten Staaten, seit Jahren der größte Beitragszahler, aus der WHO zurückziehen werden. Wie sehr schadet dieser Schritt der Organisation?

Brundtland: Es wäre ein Schritt gegen die Interessen der USA. Ich würde ihn für vollkommen falsch halten. Und ich bin keineswegs sicher, dass es wirklich zu einem völligen Rückzug der USA aus der WHO kommen wird.

SPIEGEL: Trump wirkt sehr entschlossen.

Brundtland: Mag sein, der US-Präsident ist jedoch nicht allmächtig, es gibt in Washington immerhin noch den Kongress. Außerdem wird in einem halben Jahr gewählt. Bis dahin ist es vielleicht möglich, die Zahlungen einzustellen. Aber einen Austritt mit der Beendigung aller rechtlichen Verpflichtungen, die mit einer Mitgliedschaft einhergehen, kann und will ich mir nicht vorstellen.

SPIEGEL: Und wenn es doch dazu kommt?

Weiterlesen mit SPIEGEL plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden SPIEGEL-Abo.

Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt. Jetzt testen.

Ihre Vorteile:

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich.
  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App.
  • Einen Monat für einen Euro testen. Einmalig für Neukunden.
Jetzt für 1 Euro testen

Sie sind bereits Digital-Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit SPIEGEL+

Mehr Perspektiven, mehr verstehen.

Freier Zugang zu allen Artikeln, Videos, Audioinhalten und Podcasts

  • Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich

  • DER SPIEGEL als E-Paper und in der App

  • DER SPIEGEL zum Anhören und der werktägliche Podcast SPIEGEL Daily

  • Nur € 19,99 pro Monat, jederzeit kündbar

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 19,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.

Zur Ausgabe
Artikel 39 / 67
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.