Coronakrise Französische Militärs fragen bei der Bundeswehr nach Amtshilfe

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus kommt das französische Gesundheitssystem an seine Grenzen. Nach SPIEGEL-Informationen haben französische Militärs informell um deutsche Unterstützung gebeten.
Bundeswehrhubschrauber (Archivfoto): Frankreich benötigt Hilfe bei Helikopterflügen

Bundeswehrhubschrauber (Archivfoto): Frankreich benötigt Hilfe bei Helikopterflügen

Foto: Jan Woitas/ dpa

Französische Militärs haben wegen der Coronakrise  auf informellem Weg bei der Bundeswehr Unterstützung angefragt. Nach SPIEGEL-Informationen liefen in den vergangenen Tagen auf regionaler Ebene über militärische Kontakte Gespräche, ob die deutschen Streitkräfte wegen der Notlage im Nachbarland schnell aushelfen könnten.

Dringend benötigt werden demnach Helikopter zur Verlegung von Corona-Patienten aus besonders betroffenen Regionen in andere Landesteile sowie Unterstützung bei der Versorgung von erkrankten Patienten, die derzeit das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenzen bringen.

Im Gespräch ist neben der Amtshilfe durch fliegendes Gerät der  Bundeswehr  wohl auch der Einsatz der deutsch-französischen Brigade, heißt es in einem internen Bundeswehr-Vermerk. Wozu die Soldaten eingesetzt werden sollen, ist noch offen. Bei der Bundeswehr wird geprüft, ob und wie man helfen kann.

Bisher sind die Anfragen aus Frankreich auf Arbeitsebene gestellt worden, eine offizielle Bitte ging in Berlin noch nicht ein. Im Verteidigungsressort rechnet man aber damit, dass sich die Pariser Amtskollegin von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer schon bald mit einer formalen Anfrage melden könnte.

Grundsätzlich wäre eine Amtshilfe der Bundeswehr im Nachbarland denkbar, die Militärs beider Länder arbeiten auf vielen Ebenen eng zusammen. Der Einsatz der deutsch-französischen Brigade zu exekutiven Aufgaben wie der Bewachung von Kasernen oder gar der Durchsetzung der Ausgangsregeln indes wäre wohl kaum möglich.

Auf ziviler Ebene nimmt Deutschland bereits Patienten aus Frankreich auf. Hessen kündigte am Donnerstag an, 14 schwer kranke Corona-Patienten aus Frankreich und Italien zu behandeln. Der Staatskanzlei in Wiesbaden zufolge stammen zehn von ihnen aus der Emilia-Romagna in Italien und vier aus der französischen Region Grand-Est.

Mehr als 2800 Covid-19-Patienten in Frankreich auf der Intensivstation

Sie gilt mittlerweile als eines der Zentren der Coronakrise. Nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörde waren bis Mittwoch 3068 Menschen mit einer Infektion in Kliniken untergebracht, fast 651 davon auf Intensivstationen. Seit Beginn der Pandemie wurden in der gesamten Region mehr als 500 Todesfälle verzeichnet. Ähnlich stark ist auch der Großraum Paris betroffen.

Bereits Anfang der Woche hatte Spanien die Nato um Hilfe gebeten. Per Anfrage an das "Euro-Atlantic Desaster Response Coordination Centre" suchte Madrid um Hilfe bei der medizinischen Versorgung nach.

Die Lage in Frankreich hat sich in den vergangenen Tagen verschärft. In dem Land gibt es mehr als 25.000 infizierten Personen und mehr als 1300 Todesfälle. Das französische Gesundheitssystem ist mit der Krise massiv überlastet. Dem Gesundheitsministerium zufolge werden 11.500 Corona-Patienten landesweit in Krankenhäusern behandelt, gut 2800 davon auf Intensivstationen.

Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron rief die Franzosen erneut eindringlich auf, zu Hause zu bleiben. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus hatte Frankreich vor mehr als einer Woche strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt, die polizeilich überwacht werden.

Macron gab sich in den vergangenen Tagen sehr offensiv. Schon vor 14 Tagen hatte er martialisch von einem "Krieg" gegen das Virus gesprochen. Am Mittwochabend trat er erneut im Fernsehen auf. Aus einem Feldlazarett in Mulhouse sprach er zu seinem Volk und kündigte den verstärkten Einsatz des Militärs an.

Anmerkung der Redaktion:  In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die französische Regierung habe in Deutschland um militärische Hilfe in der Coronakrise gebeten. Tatsächlich handelt es sich um erste Gespräche unter Militärs.