Coronakrise in den USA Wie eine Amish-Gemeinde gegen das Virus kämpft

In vielen amerikanischen Krankenhäusern werden wegen der Coronakrise Gesichtsmasken knapp. Im Bundesstaat Ohio kommt es nun auf eine Gruppierung an, die sonst eher am Rand der Gesellschaft lebt: die Amish.
Amish-Schreinerei in Ohio: Masken statt Möbel

Amish-Schreinerei in Ohio: Masken statt Möbel

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Erin Schaff/ The NewYorkTimes/ Redux/ laif

Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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In Zeiten, in denen man auf modernste medizinische Standards und Innovationen hofft, um der Coronakrise beizukommen, gewinnt in den USA ausgerechnet eine Gruppe an Bedeutung, die so gar nicht für Innovation und Modernität bekannt ist: die Amish-Gemeinde.

Sie ist weltweit berühmt für ihr Leben am Rand der US-Gesellschaft: Die Mitglieder nutzen keinen Strom aus der Steckdose, meist kein Telefon, keinen Fernseher, kein Internet - und statt des Autos die Kutsche. Doch im US-Bundesstaat Ohio produzieren nun amische Näherinnen und Arbeiter Masken, Mundschutze, Schutzanzüge für US-Kliniken.

Das Ganze geht auf die Initiative eines Unternehmers in Sugarcreek, Ohio, zurück, der gute Kontakte zur amischen Gemeinde hält. Vor einigen Wochen meldete sich bei ihm die Cleveland Clinic mit der Frage: Ob er innerhalb von zwei Tagen 12.000 Gesichtsmasken für das Krankenhauspersonal herstellen könne?

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Unternehmer John Miller, der in seinen Werkshallen normalerweise Güter für die Medizin-, Auto- und Kleidungsindustrie fertigt und viele Menschen aus der Amisch-Community beschäftigt, sagte: ja.

Wie Miller in der "New York Times"  berichtet, habe er zusätzlich mehr als 60 Näherinnen und Näher aus der Amisch-Gemeinde angeheuert, die nun von zu Hause aus zuliefern, Maske um Maske nähen. Auch andere Unternehmen mit hauptsächlich amischer Belegschaft sprangen ihm bei, zum Beispiel eine Schreinerei für Gartenmöbel, die nun Gesichtsschutze herstellt.

250.000 Menschen in Nordamerika zählen zu der Gruppe der Amish. Die Coronakrise trifft die Community hart. Zwar gab es bis zum vorvergangenen Donnerstag lediglich drei bestätigte Corona-Fälle in Holmes County, wo die größte Amish-Community lebt.

Doch viele müssen durch die Quarantänemaßnahmen mit finanziellen Einbußen rechnen oder gar dem Jobverlust. Auch Gebote wie soziale Distanz sind in einer Gruppe, die auf die Gemeinschaft ausgelegt ist, ohne Strom und Internet lebt, noch schwerer durchzusetzen und auszuhalten als anderswo.

Insgesamt sind die USA besonders schwer  von der Corona-Pandemie betroffen. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern gibt es deutlich mehr bestätigte Infektionen mit dem Virus als in jedem anderen Staat der Welt.

"Ich dachte, wenn wir die Ressourcen bündeln und die handwerklichen Fähigkeiten der Amish-Community nutzen, derer es im Moment so dringend bedarf", so Unternehmer Miller, "dann können wir ganz schön was erreichen."

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie die Amish-Community in der Coronakrise nun täglich Tausende Masken und Medizingüter herstellt.

Fotostrecke

Die Amish und Corona: "Operation Stop Covid-19"

Foto: Erin Schaff/ The NewYorkTimes/ Redux/ laif

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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