Coronakrise in Italien Regierungschef Conte kündigt neue Einschränkungen an

Die italienische Regierung will ihre Maßnahmen gegen das Coronavirus angesichts der hohen Infektionszahlen verschärfen. Ein landesweiter Shutdown sei aber nicht geplant, sagte Ministerpräsident Conte.
Premier Conte im Parlament

Premier Conte im Parlament

Foto: STEFANO CAROFEI / imago images/Independent Photo Agency Int.

Italien reagiert mit weiteren Einschränkungen auf die drastisch steigenden Corona-Neuinfektionen im Land. Das Infektionsgeschehen sei gravierend, in einigen Regionen mehr, in anderen weniger, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte vor dem Abgeordnetenhaus, der größeren der beiden Parlamentskammern in Rom. Schärfere Einschränkungen seien erforderlich. Es sei gut möglich, dass die Kapazitäten an Intensivbetten in 15 von 20 Regionen binnen eines Monats erschöpft seien.

Die Lage sei "sehr besorgniserregend", sagte Conte. Bislang sei aber kein genereller und landesweiter Shutdown geplant. Es seien jedoch Einschränkungen erforderlich, um die Zahl der Neuinfektionen wieder in den Griff zu bekommen.

Die Maßnahmen der Mitte-links-Regierung im Einzelnen:

  • Neue nächtliche Ausgangssperren. Uhrzeiten nannte Conte jedoch noch nicht.

  • Das ganze Land wird in drei Risikozonen eingeteilt. Noch strengere Vorschriften würden speziell für Zonen mit sehr hohem Ansteckungsrisiko erlassen.

  • Reisen in und aus Hochrisikozonen sollen – abgesehen von Fahrten mit wichtigen Gründen – beschränkt werden.

  • Eine nationale Obergrenze für öffentliche Transportmittel: Maximal 50 Prozent der Plätze dürfen besetzt werden.

  • Große Einkaufszentren sollen an Feiertagen und Wochenenden schließen.

  • Weniger Präsenzunterricht in höheren Schulen, die Wissensvermittlung soll online erfolgen.

Ein Teil der neuen Regeln wird laut Conte in ganz Italien gelten. Zuletzt war von Lockdowns in Corona-Hotspots wie Mailand und einigen Regionen die Rede gewesen. Conte nannte jetzt jedoch keine konkreten Orte, für die besondere Regeln gelten könnten.

Das entsprechende neue Notdekret war allerdings am Montagmittag noch nicht fertig. Es hatte viel Streit zwischen der Regierung und den Chefs der 20 Regionen gegeben. Conte wollte am Abend auch im Senat, der kleineren Kammer des Parlaments, sprechen.

"Wir haben 48 Stunden, um zu versuchen, die Verschärfung auf den Weg zu bringen", hatte Gesundheitsminister Roberto Speranza der Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag gesagt. "Es sind zu viele Menschen unterwegs." Man müsse die Italiener davon überzeugen, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben. Noch stünden die Intensivstationen nicht vor dem Kollaps, aber der Druck steige. Der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, forderte national einheitliche Vorgaben.

Die Regierung hatte ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bereits im Laufe des Oktobers mehrfach verschärft. Seit einer Woche sind Theater und Kinos geschlossen. Bars und Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr Gäste bedienen. Das 60-Millionen-Einwohner-Land hatte am Sonntag rund 30.000 Neuinfektionen in 24 Stunden registriert. Außerdem starben etwa 200 Menschen mit oder an Covid-19.

Italien war im Frühjahr in Europa am stärksten betroffen von der Pandemie und hatte einen wochenlangen Shutdown verhängt.

als/dpa/Reuters
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